Kategorie: PEOPLE
The world should be beautiful
- Beitragsautor Von admin
- Veröffentlichungsdatum 2. März 2023
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Kisara’s life
Kisara Araki, 26 years old, blood type AB
My hobby is LEGO and my dream is to make Rouha(@rouha_1996) famous.
My favorite type is Emma Watson.
My life is quite eventful.
For complicated reasons, I left home as soon as I graduated from junior high school
and cut all ties with my relatives.
My job is car related.
I was impressed by watching the movie ‘The fast and the furious’ and aimed to be a
mechanic.
My clothing brand Rouha(@rouha_1996) is one of the places where I express
myself.
I spend my daily life casually, but I make illustrations of things and thoughts that I
feel in it.
My current state of mind is stable when I’m passionate about work or something, but
when I have free time, I feel a little disturbed.
Question for Kisara
What are your strengths?—My strengths is that I try to challenge everything and I try
my best to master it.
What are your weaknesses?—My weakness is my short temper.
Please tell us about your future goals and dreams.ーMy goal is to make my brand
Rouha(@rouha_1996) clothes famous.
What does work mean to you?ーFor me, work is an existence that shows the value
of my existence.
When do you fall in love with a woman?ーI feel attractive when there is something I
can respect as a person.
What do you like about your current partner?ーShe has a lot of things that I don’t
have, and she cares about me unconditionally.
What are you obsessed with right now?ーI am obsessed with LEGO blocks.
Are you jealous of your partner?ーOf course there is.
Is there a difference between liking a man and liking a woman?ーNothing in
particular. At that time, the person I was attracted to just happened to be a woman,
or a man.
What are you afraid of?ーI’m afraid when I lose my existence, when I’m no longer
needed by anyone.
What is the question if love is the answer?ーHappy but sometimes painful.
How did you confess to your current partner?ーIt feels like we are spending more
time together.
What should your ideal relationship look like?ーA relationship in which the two of us
feel that we want to see each other when we are happy, sad, painful, or lonely, and a
relationship that enhances each other.
Photography: Michiro Ando
King
- Beitragsautor Von admin
- Veröffentlichungsdatum 2. März 2023
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„King“
CYTE: Lieber Franz, wie geht es dir? Was machst du zur Zeit?
FRANZ: Ich pendel’ zwischen Prag und Berlin, drehe jetzt im fünften Jahr die vierte Staffel „Das Boot“ und bin dann Ende des Monats fertig. Dann stürze ich mich in Hörbuch-Aufnahmen, um ein bißchen was für meinen Kopf zu tun. Mir ist aufgefallen, wenn ich weniger als ein Hörbuch pro Jahr mache, bin ich nicht mehr in der Lage, längere Sätze zu formulieren, die mir selbst gefallen, wenn ich sie lesen würde.
CYTE: Hast du ein bestimmtes Hörbuch-Projekt, das du angehst?
FRANZ: Ich lese seit einigen Jahren für den Diogenes Verlag, der übrigens sehr tolle Bücher macht. Die verlegen Dror Mishani, einen israelischen Autor, der mit Arthur Abraham einen Ermittler kreiert hat, der die interessantesten Fälle erlebt und alles miteinander verschachtelt. Ich lese gerade sein neuestes Werk – insgesamt das vierte Dror Mishani Hörbuch, das ich in den letzten Jahren gemacht habe. Mir tut das immer ganz gut, auch wenn ich mir jedes Mal schwöre: Nie wieder ein Hörbuch! (lacht).
CYTE: Warum? Ich liebe Hörbücher.
FRANZ: Das ist einfach sehr, sehr komplex vorzubereiten. Es ist unglaublich viel Stress. Und eine Woche lang eingesperrt zu sein im Studio ist auch eine Herausforderung. Aber es macht trotz allem immer großen Spaß und ist auch für jemanden wie mich, der abseits des Sets eigentlich gerne auch nichts sagt, eine gute Übung, sich zu äußern und seinen Stimmen-Apparat zu verwenden. Ich lese einfach wahnsinnig gerne, komme aber mit zwei Kindern kaum noch in den Genuss dieses Luxus, einfach mal ungehindert ein größeres Buch zu lesen. Das empfinde ich schon als Nachteil.
CYTE: Verstehe ich. Du hast eine super Hörspielstimme. Mache das bitte weiter.
FRANZ: I will. Zumindest wird es dieses Jahr Nachschub geben und dann schauen wir mal. Aber schade, dass wir Lesen mittlerweile schon als großen Luxus empfinden. Weil immer weniger Zeit ist und du in deinem Apparat drinnen steckst. Gute Sachen zu erschaffen setzt einfach immer voraus, dass du dich ziemlich tief reinstürzt. Und dementsprechend fallen dann so Sachen wie Abschalten und ein Buch lesen meistens hinten runter.
CYTE: Was ist das Besondere an fast 5 Jahren „Das Boot“? Gibt es da irgendwas, wo du denkst: Ja, erzähl ich?
FRANZ: Mir ist nach all den fünf Jahren „Das Boot“ so wichtig, weil ich in einem Projekt war, mit dem ich mich komplett identifizieren konnte, mit dem ich immer sympathisiert habe und das Gefühl hatte, das ist ein neues Kapitel, wo ich mich überhaupt nicht verbiegen muss. Und es kommt alles zusammen, was ich gut finde. Vor allem komme ich in den Genuss, mit Schauspielern zu arbeiten, die einer neuen Generation entspringen, die völlig anders drauf sind. Als ich Mitte 20 war und gedreht habe, war die Stutenbissigkeit, die Arroganz und die Eitelkeit so viel größer als heute. Die jüngeren Menschen, mit denen ich in den letzten Jahren zu tun hatte, waren so, dass ich mir dachte, ich wäre in dem Alter auch gern so gewesen. Die politische Weitsicht, die Reflexion, die Uneitelkeit sind Dinge, die ich bewusst wahrgenommen habe und für die ich sehr dankbar bin.
Die Momente, in denen ich mich am wohlsten gefühlt habe, waren auf Malta. Wenn wir dort auf dem U-Boot-Modell standen und aus Wasserkanonen beschossen wurden und gegen den Sturm anbrüllten. Das war, wofür ich immer angetreten bin, worauf ich immer Bock hatte. Leider sind diese Szenen überschaubar. Aber wenn es darum geht, so etwas zu drehen, dann verhaue ich auch mal gerne ein Take, um mit noch mehr Wasser beschossen zu werden. Weil ich glaube, dass diese Art von physischem Schauspiel etwas ist, das sehr großen Spaß macht – und weswegen man auch „Das Boot“ anschaut. Abseits dessen beginnt diese ganze Geschichte ja schon so irre, weil mein Sohn an dem Casting-Tag geboren wurde.
Auf einen völlig anderen Trichter hat mich Shanghai gebracht, wo ich mit Produktionsleiter Holger Reibiger war, um einen Preis entgegenzunehmen. In den vier Stunden vor der Preisverleihung hatte ich mich bei einer Online-Auktion angemeldet und spaßeshalber auf eine Zeichnung von Kirchner mitgeboten. Seit 15 Jahren träume ich davon, eine Arbeit von ihm zu haben, nur eine kleine Zeichnung, die mir gefällt. Und dann habe ich ohne Gegenangebot tatsächlich den Zuschlag erhalten. Diese Zeichnung und all die Fragen drumherum hatten zur Folge, dass ich mich jede freie Minute mit Kirchner und der Kirchner Forschung auseinandersetze. Das hat mich auf so eine neue Ebene der Glückseligkeit gebracht, weil ich gemerkt habe, das ist es, was ich spannend finde. Es ist letztendlich wie Schatzsuche – es ist Schatzsuche in Filmprojekten, es ist Schatzsuche abseits von Filmprojekten, es ist sogar Schatzsuche in echt, wo ich mit einem Metalldetektor über Wiesen renne und die damit verbundenen Geschichten und Geheimnisse entdecke…
CYTE: Ich finde es ja hochspannend auf der Suche nach etwas zu sein. Aber ich habe jetzt nicht das Gefühl, dass du ein Suchender bist – nach irgendwas, das irgendwann noch kommt. Was steckt dahinter? Sein Potential ausschöpfen?
FRANZ: Und sich überraschen lassen. Ich glaube, das ist die Offenheit, die wir auch angesprochen haben. Ich habe mich nicht dagegen gewehrt, wenn ich etwas spannend fand. Wenn ich merke, dass mich etwas nach drei Monaten immer noch interessiert, dann gehe ich diesen Weg. So habe ich in den letzten Jahren Schmuck gemacht, mich mit der Wiener Werkstätte beschäftigt, oder mich mit Literatur und Poesie beschäftigt. Das sind Dinge, die teilweise gar nichts miteinander zu tun haben. Aber das habe ich mir mal erlaubt, um dann zum Beispiel festzustellen, ah ja, die Szene spiele ich jetzt auf die Art und Weise, weil ich letztes Jahr diesen Brief von Kirchner gelesen habe. Letztendlich ist das einfach nur der Baukasten, den du auffüllst. Deswegen bin ich übrigens ein sehr schlechter Entspanner, denn ich das Gefühl, durch einfach nur am Strand liegen, lerne ich nichts Neues kennen. Das ist Fluch und Segen zugleich.
CYTE: Ich kann es wahnsinnig gut nachvollziehen. Mich würde interessieren, wie viel deiner Rolle in „Das Boot“ Teil deiner eigenen Identität geworden ist.
FRANZ: Ja, ganz spannend festzustellen, dass Ehrenberg eine Figur geworden ist, die mir sehr nahe geht und die auch viel von Franz in sich trägt, das ein Teil von Ehrenberg sich so eingeschlichen hat. Feigheit ist für mich ein Thema – und Mut, auch für mich als Privatperson. Abseits dessen, dass ich irgendwie ein halbes Jahr Ehrenberg sehe, wenn ich in den Spiegel gucke, weil der Bart eben nicht einfach mal so wächst.
Dass die Rolle jetzt die letzte Figur aus der ursprünglichen Staffel ist, ist großes Glück, weil da eine Wahrheit drinsteckte, die auch vom Publikum wahrgenommen wurde. Weil es eben nicht der Alpha-Soldat ist, der in den Krieg zieht, um Adolf Hitler glücklich zu machen, sondern weil das jemand war, der – ohne den Gutmenschen herauszukehren – jemanden repräsentiert, der wie wir irgendwo reingeraten und nicht mehr rauskommen kann und trotzdem irgendwie seinen Weg geht. Dass Ehrenberg so eine kaputte Figur ist, die nicht aufgibt und versucht, sich aus dem Sumpf zu ziehen und seine Schulden zu begleichen, ist spannend. Damit kann ich mich total identifizieren. Und das war eine der Überraschungen, die – so glaube ich – niemand für möglich gehalten hat.
CYTE: Gibt es eine Geschichte, die noch nicht erzählt wurde und gibt es innerhalb dieser eine Rolle, die du gerne spielen würdest?
FRANZ: Ich würde gerne zurückkehren zu Geschichten, die die eigentliche Kraft des Kinos und des Fernsehens sind – nämlich erdachte Welten. Ein Raumschiff, das mich irgendwo hinbringt, irgendwo in den Space, wo ich schwerelos vor mich hin schwebe und irgendwelchen Wesen begegne, die man sich nicht ausdenken kann. Das wäre absolut meins. Und ich hoffe sehr, dass dieses stiefmütterlich behandelte Kind des Science-Fiction-Genres in Deutschland eine Kehrtwende erfährt und ich irgendwo in diesen Projekten unterkomme. Das wäre etwas, wo ich echt Lust drauf hätte. Das heißt jetzt nicht, dass das noch nie erzählt wurde, aber das wäre eine Sache, die ich mir gerne anschaue. Irgendwo anders zu sein. Irgendetwas zu erzählen, was der Realität eben nicht entspricht. Und dann in so eine Welt einzutauchen.
CYTE: Ich bin maximal verwirrt und begeistert gleichzeitig. Was bitte ist der Transformer und was steckt dahinter?
FRANZ: Ich habe mit Anfang 20 angefangen, Gedichte zu schreiben und zu überlegen: Was will ich eigentlich von Gedichten? Jedenfalls nicht, was im Deutschunterricht gelehrt wird – nämlich Hochkultur. Ich wollte Gedichte mit Kunst verbinden. Daraus entstand die Idee eines begehbaren Gedichtbandes. Gedichte sind Emotionen und Emotionen sind wie Möbel in deiner Seele. Und genauso wie die Gestaltung eines Raum etwas über dich erzählt, so erzählt auch ein Gedicht etwas über dich. Ich dachte, das könnte ich zusammenbringen und eine Art Raum erschaffen und jedem Gegenstand eine passende Gedichte zuordnen, mit denen du spielen kannst. Ob das jetzt der krisselnde Fernseher ist, der ein Gedicht vorliest, das ich verfilmt habe, sobald du eine Kugel seitlich reinwirfst – wie in einen Flipper, oder der Transformer, der irgendwo in der Ecke steht und auf Knopfdruck ein Gedicht über die Sehnsucht vorträgt – darüber, sich verändern zu wollen und sich in einer völlig anderen Welt zu verlieren. Es gibt inzwischen 15 lustige Maschinen, die meine Kinder später wahrscheinlich verstören und auch faszinieren werden, wenn sie die irgendwann entdecken. Mit Sprache und Inhalten zu spielen, so dass eine Verbindung entsteht, ist, als wenn du dein Paperback im Zug liest. Ich habe in Lyrikkreisen häufig das Gefühl vermittelt bekommen, dass ein gutes Gedicht sich selbst genug ist. Das fand ich immer langweilig, hat mich einfach nicht interessiert. Und ich dachte mir, dann bin ich eben kein Dichter, sondern schreibe Kurztexte mit lyrischem Background und vergesse im besten Fall, dass man in dem Bereich unterwegs ist.
CYTE: Alles, was man nicht in eine Box packen kann, finde ich super.
FRANZ: Ich glaube, du kannst nichts nach Strategie machen in deinem Leben. Und das ist das Leben, das ich für mich gefunden habe. Mit meinem Weg als Kreativer damit umgehen zu können und auch überleben zu können. Als Schauspieler, der auf Projekte wartet – der ja auf das Gusto anderer angewiesen ist – bist du dabei aber auch schnell verletzbar. Ich hatte immer ein Problem damit, nach Dreharbeiten mein kreatives Bedürfnis einfach abzuschalten. Mein Ziel war es immer, wenn ich etwas mache, dann so, dass ich davon überzeugt bin. Es gibt durchaus Sachen, die ich heute fürchterlich finde, die ich mit Anfang 20 gemacht habe – irgendwelche Texte, die ich geschrieben habe, bei denen ich heute denke: Oh Gott, braucht die Welt nicht. Aber zu dem Zeitpunkt war das aus vollster Überzeugung richtig. Eine meiner größten Sehnsüchte ist – trotz dieser Freiberufler-Tätigkeit und verrückten Marktes – in Würde altern zu dürfen. Als Kreativer, der in 40 Jahren im Reinen mit sich ist und dem, was er getan hat. Ich möchte einfach nur im Reinen sein und niemandem Rechenschaft schulden.
CYTE: Wo siehst du dich in 40 Jahren?
FRANZ: Kann ich nicht sagen. Im besten Falle weiterhin nahen Kontakt mit Malerei, mit Schauspielerei und mit kreativen Menschen, denen du begegnest und du denkst, lass uns was zusammen machen, ich weiß nicht was. Aber ich mag diese Energie und wir müssen damit auch was auf die Beine stellen. Und diese Neugier und dieser hoffentlich sich niemals einstellende Zynismus, der einem begegnen kann in diesem Beruf. Das ist doch das Schöne daran, noch mal überrascht zu werden und weiterhin unentdeckte Schätze heben zu können, von denen ich heute noch nichts weiß.
CYTE: Was macht dir Mut? Wovor hast du Angst?
FRANZ: Mut macht mir etwas zu sehen, das mich daran erinnert, nicht aufgeben zu müssen. Was mich daran erinnert, dass sich früher oder später Dinge irgendwie ihren Weg bahnen, die einer Überzeugung folgen, der eine Wahrheit innewohnt. Als Motivation für die dunklen Zeiten – und als Joker. Angst habe ich davor, dass ich irgendwann die Projekte einstellen. Dass es düster wird und du dann in deiner Einraumwohnung sitzt und immer nur die vier gleichen Wände anstarrst. Und du denkst, das ist jetzt das letzte Kapitel. Oder die Zufälle einstellen, die das Licht wieder anmachen in einem Raum, den ich eventuell sonst nicht entdeckt hätte. Das muss gar kein Schloss sein, sondern eher hinterm Ofen eine Geheimtür zu einem Tunnel – und du weißt nicht wohin der führt. Dann stehst du in diesem Raum, und hast das Gefühl, hier war seit 500 Jahren niemand…
CYTE: Auch das ist eigentlich ein Abenteuer.
FRANZ: Wahrscheinlich kann man einfach knallhart drüberschreiben „Abenteurer Dinda“ und das würde ja Vieles treffen, was mich antreibt.
CYTE: Dann steht ja schon mal die Headline für dieses Interview. Letzte Frage: Warum Elvis?
FRANZ: Elvis war meine erste Kassette, die ich im Westen hatte und die ich einfach hoch und runter gehört habe. Und es gibt ein Elvis-Tattoo auf meiner Hüfte, das mich daran erinnert, dass es diese wahnsinnige Geschichte mit diesem wahnsinnigen Kapitel in meinem Leben gab: Wir haben diese Schlüsselszene zu „Teenage Angst“ gedreht, eine Szene, in der sich Opfer und Mitläufer begegnen und einander anvertrauen – und wir wussten nicht, über welchen Dialog wir das lösen sollen. Wir haben dann zufällig festgestellt, dass beide Schauspieler große Fans von Elvis waren und haben beschlossen, uns über sein 68’ Comeback-Konzert zu unterhalten. Dieser Tag war übrigens der Todestag von Elvis Presley. Als die Szene im Kasten war, sind wir auf einem Feld eine rauchen gegangen – mitten in der Pampa. Mir fiel da ein blitzender Gegenstand auf. Also bin ich da hingelaufen, weil ich wissen wollte, was das ist. Und dann hole ich – was ich schon einen unfassbaren Zufall fand – eine Scherbe aus dem Boden, eine blaue Scherbe, ungefähr in der Größe von zwei mal zwei Euro. Und auf dieser blauen Scherbe steht einfach nur KING. Ich fand das so faszinierend und stellvertretend für so viele Dinge in meinem Leben, die mir passiert sind, dass ich dachte, das ist jetzt nicht einfach nur so passiert, sondern was auch immer uns eine Richtung vorgibt, bündelt sich so stark in diesem Zufall und in diesem Moment, dass es mir wichtig war, diese Scherbe zu rahmen und an Tagen zu tragen, an denen ich das Gefühl habe, oh, ich lauf’ mir gerade davon. Dann nehme ich immer diese Scherbe, die ich mir als Amulett hab’ fassen lassen, und erinnere mich an diesen Moment. Ich bin kein Mensch, der große Worte wie Schicksal oder so bemühen will. Weil man sich so schnell in so ein abgedroschenes Phrasen-Geplänkel begibt – aber das Grundgefühl trifft genau das: Es gibt ein Schicksal, es gibt eine Verkettung der Dinge. Und es ist schon genug, wenn man zwischendurch etwas in die Hand bekommt, das einen daran erinnert, dass man auf dem richtigen Weg ist.
CYTE: Hammer Geschichte. Das ist mal ein Schlusswort. Dann sag’ ich offiziell Danke.
FRANZ: Lieber Chris. Ich danke dir.
„King“
Photos+Interview: Christian Ruess
Assistent: Maximillian Mouson +Yasmin Faith Momodu
Styling: Alexandra Heckel@Liganord
Hair+Make-Up: Stefanie Mellin@Ballsaal
Actor: Franz Dinda@ZTA Management
We are the future
- Beitragsautor Von admin
- Veröffentlichungsdatum 28. Juli 2022
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„We are the future“
We asked 8 models how they feel in 2022
DOP: Christian Ruess
Edit: Ben Galster
Photographer: Stephan Ziehen
Hair+Make-Up: Astrid Scheppan@Liga Nord
Models:Louisa@Mirrrs
Yosuke@Mint
Maxim@Mint
Oluwatoniloba Dreher-Adenuga@2Management
Alexandra@Mirrrs
Marc@Le Management
Kobe@Kult Models
Jassica@Le Management
Casting: Karen Stehle+Christian Ruess
More,more..nothing
- Beitragsautor Von admin
- Veröffentlichungsdatum 28. Juli 2022
- Keine Kommentare zu More,more..nothing
MORE, MORE, MORE …NOTHING!
Hamburg, Winterhude. Altbau-Wohnung, 3. Stock. Lars Goedeke Studio. Von hier aus will Lars Goedeke die Welt retten oder zumindest versucht er es. Lars repräsentiert eine neue Generation von Mode-Designer. Jemand, der mit seinem Label nicht zwangsläufig die Laufstege und die teuren Stores der Innenstädte erobern will. Der nicht nach Gewinnmaximierung und mehr, mehr, immer mehr strebt. Sondern jemand, der als politischer Aktivist über die Folgen des Klimawandels in Form von modischen Unikaten und Klein-Serien aufmerksam machen und uns für die Leiden des Planeten sensibilisieren möchte. Jemand, der genauso auf Panel-Diskussionen zu den Auswüchsen der Fast Fashion zu finden ist, wie auch hinter dem Mikro, wenn er seine eigene Musik produziert. Bei dem die Grenzen dessen, was er tut verschmelzen. Bei dem keine Schublade so richtig passt. Muss auch nicht. Mit 28 Jahren muss man sich noch nicht festlegen, kann und sollte alles probieren. Und er schafft es, für seine verschiedenen Arbeiten viel Aufmerksamkeit und Zuspruch zu bekommen. Das liegt wohl in erster Linie an seiner bescheidenen und zugewandten Art. Nichts Belehrendes oder gar Missionarisches strahlt er aus, er ist auch kein Öko-Spinner oder Müsli. Gerade das macht ihn umso überzeugender. Mittlerweile versucht er, statt mit einer großen aufwendigen und auch zu teuer produzierten Kollektion, eher mit simplen Teilen wie T-Shirts die Menschen zu erreichen. Damit erreicht und begeistert er mehr Leute und verbreitet seine Botschaft „Gegen die Zerstörung unserer Umwelt“ und gegen das Wegsehen.
Mit Corona kam der Dämpfer, gerade weil sich auch die Medien hauptsächlich auf die Pandemie fokussieren und die Klimakrise aus dem Blickfeld verloren geht. Das nutzen leider viele Firmen, um mit den alten Praktiken weiterzumachen, geht ja auch leichter, weil alle mit der Pandemie beschäftigt sind.
Doch langsam ist wieder Licht am Ende des Tunnels und Lars kann an Kontakte anknüpfen, die sich zwischenzeitlich, coronabedingt, zurückgezogen hatten.
Er versucht den Spagat zwischen großer Aufmerksamkeit und Bekanntheit für sein Anliegen und seine Kunst und gleichzeitig der Verweigerung des großen Marktes, mit all seinen negativen Nebenwirkungen – ein Dilemma. Das er meistert. Zu unser aller Glück.
Das Dilemma ist ein Zeugnis unserer zerrissenen Zeit. Wenn alle LAUT sind, findet man vielleicht mit LEISE am Ende mehr Gehör – zumal, wenn das, was man sagt und tut Substanz hat. Sonst bleibt am Ende NICHTS.
Weil die Welt mittlerweile immer mehr von lauten und hirnlosen Influencern, die von profitgesteuerten, greengewashten, scheiß-auf-die-Umwelt Firmen gebucht werden, dominiert zu sein scheint, braucht es Leute wie Lars umso dringender. Unseren Support hat er!
savetheworld.studio/
Photographer+words: Stephan Ziehen
Hair+Make-up: Isabel Groenke@Bigoudi
Models: Svea+Gabriel@Kult Models
Dop+Edit: Oskar Nehry
Casting: Karen Stehle
Langston
- Beitragsautor Von admin
- Veröffentlichungsdatum 6. Januar 2022
- Keine Kommentare zu Langston
Langston Uibel
- Juni. 2021
Berlin, Savignyplatz
Langston Uibel (23) ist nicht nur Schauspieler, sondern auch politisch aktiv. Im Interview verrät der gebürtige Londoner, warum sich jeder Mensch engagieren sollte, warum es bisher nicht einen einzigen Tag in seinem Leben ohne Musik gab und warum der Autodidakt Angst vor Schauspielunterricht hat. Zu sehen gibt es natürlich auch etwas von ihm: In seiner vierten Netflix Kollaboration stößt er zum Hauptcast von „How To Sell Drugs Online (Fast)“ dazu.
Viele deiner Schauspielkolleg*innen führen äußerst ungern Interviews mit Journalist*innen. Hast du eine Ahnung, woran das liegen könnte?
LU: Viele Schauspieler*innen, die ich kenne und schätze, sind nicht unbedingt so krass extrovertierte Menschen, die sich immer in den Mittelpunkt stellen wollen. Ich finde es auch immer wieder challenging, aber natürlich weiß ich auch, wie wichtig PR im Rahmen einer Veröffentlichung ist.
Dir dagegen ist es wichtig, auch abseits von obligatorischen PR-Terminen die Stimme gegen Rassismus und für mehr Chancengleichheit zu erheben. Warum ist dir das ein Anliegen?
LU: Mein Engagement ist völlig unabhängig vom Beruf. Ich glaube, egal was ich beruflich mache, ich würde immer meine eigene Meinung haben und auch darüber sprechen. Ich bin ein politischer Mensch und ich würde mir wünschen, dass sich noch viel mehr Menschen politisch engagieren. Jeder Mensch sollte für eine persönliche Sache einstehen, denn davon lebt Demokratie und je mehr Menschen sich beteiligen, desto besser ist es für die Gesellschaft, in der wir leben.
„Erfahrungswerte über Rassismus, die man als schwarze Person in diesem Land gemacht hat, wurden null ernst genommen. Eigentlich wurden Diskussionen immer weggeschoben. Nach dem Motto: Rassismus gibt’s, aber hier ist doch alles nicht so dramatisch. Deswegen war es für mir auch so enorm wichtig, auf dieser Demo zu sprechen.“
Du warst bei der Black Lives Matter-Bewegung in Berlin aktiv und hast auch bei der Demonstration im Juni 2020 am Berliner Alexanderplatz gesprochen. Welche Bedeutung hat dieser Tag für dich?
LU: Für mich war dieser Tag wie das Ende einer Reise, die man in diesem Land durchgemacht hat und gleichzeitig auch eine kleine Zäsur. Durch meinen Vater wurde ich stark politisiert und war schon lange sehr, sehr politisch und auch immer schon sehr „aware“, was es bedeutet, schwarz in dieser Welt zu sein. Außerdem fanden viele Diskussionen, die wir heute in Deutschland führen, schon um einiges früher in England statt, wo ich die ersten Jahre meiner Kindheit verbrachte. Während meines Aufwachsens in Berlin und in Deutschland bin ich dann sehr oft an meine Grenzen gestoßen, wenn ich über Rassismus sprechen wollte. Ob in der Schule, im Arbeitskontext oder im privaten Kontext. Erfahrungswerte über Rassismus, die man als schwarze Person in diesem Land gemacht hat, wurden null ernst genommen. Eigentlich wurden Diskussionen immer weggeschoben. Nach dem Motto: Rassismus gibt’s, aber hier ist doch alles nicht so dramatisch. Deswegen war es für mir auch so enorm wichtig, auf dieser Demo zu sprechen. In erster Linie habe ich natürlich zu anderen schwarzen Deutschen gesprochen, weil ab diesem Punkt, also an diesem Tag klar war, auch in diesem Land geht eine Diskussion über strukturellen Rassismus und Polizeigewalt los. Die anschließende gesellschaftliche Debatte hat mich persönlich dann aber verstummen lassen, weil ich erst lernen musste damit umzugehen, dass auf einmal alle über „einen“, also die Eigenschaft schwarz zu sein sprechen und merkte, krass, jetzt verstehen die Leute das erst. Mich hat die gesamtgesellschaftliche Diskussion über Rassismus auch verunsichert.
(O-Ton LU auf der Demo: „Ich habe Berlin noch nie so schön gesehen. Vielen Dank, dass ihr hier seid.“)
Hast du eine Erklärung dafür, warum der Tod eines Schwarzen in Amerika solche Auswirkungen in Deutschland hatte?
LU: Ich denke es liegt daran, weil es in erster Linie sehr bequem ist, auf eine Tat weit weg in Amerika zu verweisen. So kann man sich, auch wenn die Diskussion importiert wurde, immer noch ein wenig distanzieren. Den Hashtag #blacklivesmatter finde ich teilweise irreführend, weil damit eine Bewegung, die in Amerika losgetreten worden ist, gemeint ist, es aber um die alltägliche Lebensrealität von schwarzen Menschen auf der Welt geht, auch in Deutschland. Es ist ein ständiges Thema, für das grundsätzlich sensibilisiert werden muss und was nicht einfach beendet oder gelöst werden kann, sondern das tiefgehend und intersektional betrachtet werden muss. Damit möchte ich nicht sagen, dass es keine Chance auf Verbesserung gibt, aber es eben nicht einfach und vor allem nicht schnell zu lösen ist.
Es gibt einen Ausschnitt im Netz, da sieht man dich gemeinsam mit Hadnet Tesfai auf der Bühne. Ihr lest die Namen von getöteten schwarzen Menschen aus Deutschland vor. Welche Botschaft wolltet ihr damit senden?
Damit wollten wir zeigen, dass Polizeigewalt eben nicht nur ein Problem in Amerika ist, sondern Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe auch bereits in Deutschland umgebracht worden sind. Vor einiger Zeit haben alle Parteien außer die Linke dafür gestimmt, einen Schlussstrich unter die parlamentarische Aufarbeitung der Todesumstände von Oury Jalloh zu ziehen. (Anm. Red. 2005 verbrannte Oury Jalloh unter nach wie vor nicht vollständig rekonstruierten Umständen in einer Dessauer Arrestzelle) Auch wir haben Probleme mit Rassismus bei der Polizei und auch bei der Bundeswehr. Das sind tiefgreifende Probleme und somit deutsche Probleme.
Der Tod von George Floyd hat sich im Mai zum ersten Mal gejährt. Welche konkreten Auswirkungen hat die Black Lives Matter-Bewegung auf die deutsche Filmbranche? Kann man das heute schon absehen?
LU: Ich würde schon sagen, dass auch in der Filmbranche ein Wandel stattfindet, aber ich glaube, es ist noch zu früh, um zu beurteilen, ob es ein nachhaltiger Wandel ist. Ich hoffe es natürlich sehr. Man kann sich relativ schnell bekannte Schauspielerinnen of Color nehmen und in der Produktion platzieren, aber das ist noch kein Beleg dafür, dass wirklich ein Umdenken greift. Tiefgreifender Wandel passiert auch hinter der Kamera, auf Produktionsebene, da muss in Zukunft noch genauer hingeschaut werden. Also mal schauen, was mittelfristig passiert und inwieweit Schwarze, aber beispielsweise auch lesbische Frauen besetzt werden.
Gab es jemals die Situation, in der du dich gefragt hast, warum du beim Casting nicht reüssierst? Dachtest du schon einmal, dass es an deiner Hautfarbe liegt?
LU: Die politische Ebene einer Besetzung kann ich von meinem Standpunkt aus nicht bewerten Warum man eine Rolle nicht bekommt, kann ganz unterschiedliche Gründe haben.
Welche persönlichen Erfahrungen mit Alltagsrassismus hast du als Kind oder junger Heranwachsender gemacht, die heute noch nachwirken?
LU: Da gibt es genügend Beispiele, bei denen Verletzendes hängengeblieben ist. Und ich habe wenig Lust, irgendetwas davon zu reproduzieren.
Du bist 23 Jahre alt und gehörst fast zu der Generation der Digital Natives. Welche Rolle spielen Soziale Medien bei der Mobilisierung der Bewegung?
- Auf der digitalen Ebene bin ich eher ein stiller Beobachter als jemand, der seinen Alltag postet. Ich bin `98 geboren, kenne also noch eine Welt und Kindheit ohne Social Media. Ich hatte erst mit 12 Jahren ein Smartphone. Ich sehe die Digitalisierung und alles was damit zusammenhängt auch eher positiv als negativ und finde auf Twitter oft Dinge wirklich sehr witzig. Ich habe einen sehr internationalen Freundeskreis und bin mit vielen Freunden in Amerika und England vernetzt. Außerdem konsumiere ich britische und amerikanische Medien, das ist schon sehr cool. Als ich noch zur Schule gegangen bin, wurden vor allem Handys oft verteufelt und es hieß immer, bloß keine Handys, Handys, Handys. Logisch, der Umgang damit muss gelernt werden, aber ist es nicht auch ein bisschen witzig, dass heute gerade die Generation auf Fake News reinfallen und Hasskommentare schreiben, die vorher gewarnt haben, dass daran alles schlecht ist? Für mich haben Nachrichten im Fernsehen und die gedruckte Zeitung immer noch einen höheren Stellenwert, als Dinge, die ich in meine Timeline gespült bekomme.
„Deswegen reicht es nicht, einfach nur jemanden mit der gewissen Hautfarbe oder Geschlecht an einer erfolgreichen Stelle zu positionieren, wenn diese Person sich nicht für Menschen mit bestimmten Eigenschaften einsetzt.“
Lass uns über dich und deine Anfänge als Schauspieler reden: Als Zehnjähriger standest du 2008 zum ersten Mal vor der Kamera. Hattest du als Kind und junger Schauspieler Vorbilder oder gab es jemanden, an dem du dich orientiert hast?
LU Tatsächlich gar nicht. Da gab es niemanden, an dem ich mich orientiert habe. Die Frage nach Vorbildern finde ich allerdings auch heute noch schwierig zu beantworten. Es gibt natürlich viele coole Schauspieler und Schauspielerinnen da draußen, wie Maryam Zaree in Deutschland oder Lakieth Stanfield in den USA beispielsweise. Ich wünsche mir, irgendwann mit ihnen zusammen arbeiten zu können, anstatt ihnen nachzueifern oder zu ihnen aufzuschauen.
Anders gefragt: Glaubst du, dass du als junger schwarzer Schauspieler Vorbild für die nächste Generation sein könntest?
LU: Es wäre schön zu wissen, wenn ich andere jüngere schwarze Menschen positiv motivieren könnte. Wenn man sich als schwarzer Schauspieler versteht, ist Repräsentation aber nicht alles, sondern immer nur ein erster Schritt, damit ein junger Mensch sieht, dass ein Beruf auch für ihn in Frage kommt. Deswegen sind Repräsentation und Sichtbarkeit nur ein Anfang. Denn es gibt auch viele Beispiele von schwarzen Politiker*innen, schwarzen Akteur*innen oder auch Schauspieler*innen of Color, die sich trotz ihrer Hauptfarbe nicht für gleiche Rechte und Chancengleichheit für Schwarze einsetzen. Deswegen reicht es nicht, einfach nur jemanden mit der gewissen Hautfarbe oder Geschlecht an einer erfolgreichen Stelle zu positionieren, wenn diese Person sich nicht für Menschen mit bestimmten Eigenschaften einsetzt.
Gab es bisher in deiner Laufbahn positives Feedback von jungen Schwarzen, die dich als Schauspieler gesehen haben?
Ja, nach „Dogs of Berlin“ hatte ich total nette Begegnungen und habe viele Nachrichten bekommen. Da habe ich das erste Mal verstanden, was es heißt, Schauspieler einer erfolgreichen Serie zu sein. Von einem Tag auf dem anderen wurde ich in der U-Bahn erkannt und die Leute wollten Fotos mit mir machen. Das Coolste und das Schönste ist es aber natürlich, wenn dir jemand sagt: „Hey, ich hab` dich gesehen und du hast mir Kraft gegeben, auch Schauspieler:in zu werden“.
Wie bist du eigentlich Schauspieler geworden?
LU: Das war wirklich Zufall. Meine Eltern haben nichts mit Film zu tun, aber ein Freund meiner Mutter, der gerade für die Berlinale 2008 einen Kurzfilm drehte, hat zufällig ein Bild von mir gesehen und so kam ich zu meiner allerersten Rolle und habe schnell gemerkt, wie viel Spaß mir das macht.
Gab es den einen Moment in deinem Leben, indem du gemerkt hast, das will ich machen, das ist meine Berufung?
Als ich in der 10. Klasse war, habe ich zusammen mit Louis Hofmann den Film „Freistatt“ gedreht und danach haben wir gemeinsam in den ersten beiden deutschen Netflixserien mitgespielt. Damals dachte ich, okay, nach der Schule versuche ich erst einmal Schauspieler zu sein. Das war aber noch nicht so entschlossen. Erst im vergangenen Jahr als „Unorthodox“ rauskam, realisierte ich, ich bin schon an einem gewissen Punkt und es wird immer mehr. Vielleicht geht aber auch jetzt alles schief, weil ich es angenommen habe und gerade laut ausspreche (lacht).
Bis zu deinem 8. Lebensjahr bist du in London aufgewachsen. Welche Erinnerungen hast du an die Zeit? Was ist dir heute noch besonders präsent?
LU Die Zeit in London habe ich ziemlich intensiv in Erinnerung. Ich bin im Süden von London, in Streatham Hill in der Nähe von Brixton, wo mein Vater einen Buchladen hatte, aufgewachsen. Bis zur dritten Klasse ging ich in England zur Schule. Die Schulzeit hat mich in vielerlei Hinsicht geprägt. Dabei meine ich nicht unbedingt Wissensvermittlung, sondern grundsätzliche Dinge, die man fürs Leben mitbekommt. Wir trugen natürlich alle Schuluniform, vertraten damit für jeden sichtbar unsere Schule nach außen und waren verpflichtet, Menschen die Hilfe brauchen, auch zu helfen. Außerdem ist die britische Gesellschaft insgesamt sehr viel mehr durch Einwanderung geprägt und multikultureller. Es sind alles Engländer, aber sie sind eben nicht alle weiß.
„Es gibt ja Menschen, die hören kaum oder wenig Musik. Wie krass das sein muss, kann ich mir gar nicht vorstellen. In meinem Leben gab es bisher nicht einen Tag ohne Musik. Ich höre eigentlich immer Musik.“
Ich habe gelesen, dass du und dein Vater einen Jazzclub in Dalston betreibt. Stammt dieser aus eurer geneisamen Familienzeit in London? Oder ist das was Neues?
Ja, den gibt es noch heute und stammt aus der Zeit, als meine Brüder im Jahre 2000 geboren worden sind. Während meines Abis bin ich regelmäßig nach London geflogen und habe am Wochenende im Jazz Club gearbeitet. Irgendwann wurde das zu zeitintensiv und ich konzentrierte mich mehr auf meine Arbeit. Mittlerweile hat mein kleiner Bruder das Sagen im Club und ist in die Geschäftsführung aufgestiegen. Ich bin aber noch unterstützend und beratend dabei.
Welche Rolle spielt Musik und Jazz in deinem Leben?
LU: Musik und gutes Essen spielen eine sehr große Rolle in meiner Familie und in meinem Leben. Zuhause haben wir viele schwarze Künstler:innen, wie zum Beispiel Etta James, gehört und bis heute prägt mich der Musikgeschmack meines Vaters sehr. Für mich gibt es für jede Lebenssituation, ob ich glücklich oder traurig bin, die passende Musik und meine Laune ist nach einem Song immer ein bisschen besser als vorher. Es gibt ja Menschen, die hören kaum oder wenig Musik. Wie krass das sein muss, kann ich mir gar nicht vorstellen. In meinem Leben gab es bisher nicht einen Tag ohne Musik. Ich höre eigentlich immer Musik.
Dann hast du sicherlich als Kind ein Instrument gelernt, oder?
LU: Ja, ich habe mal Geige gespielt, aber richtig gut war ich nie. Außerdem hatte ich oft Musikunterricht, wenn meine Mitschüler:innen in der großen Pause waren. Da hatte ich natürlich wenig Lust zu üben. Einmal habe ich meine Geige sogar in einem Sandkasten vergessen. Ganz, ganz schlimm.
In der preisgekrönten Miniserie „Unorthodox“ spielst du einen Musikstudenten aus Berlin, der Esty kennenlernt und im Orchester ist. Inwiefern waren deine Geigenkenntnisse bei der Rolle hilfreich?
LU: In der Serie spiele ich Cello, was irgendwie ein bisschen eine große Geige ist. Wir Schauspieler spielten gemeinsam in einem richtig guten Orchester und ich lernte, wie ich bei meinem Einsatz die Finger am Cello halte und bewege. Meine Saiten waren aber Gott sei Dank abgeklebt, sodass nie ein lauter Ton herauskam.
Du bist bilingual aufgewachsen und spielst in „Unorthodox“ zum ersten Mal eine englischsprachige Rolle. Wie war das für dich?
LU: Es war extrem und besonders, weil ich das erste Mal in meiner anderen Muttersprache Englisch spielen konnte und es hat mir so viele Türen geöffnet. Für mich schließt sich ein bisschen der Kreis, denn ich habe ein tolles Team in London dazu bekommen und werde auch wieder verstärkt in London sein. Es hat sehr viel Spaß gemacht und außerdem gezeigt, da draußen ist noch eine große Welt zu entdecken.
Wahrscheinlich eine sehr gesunde Einstellung in einem harten Business, oder?
LU: Ich war lange sehr verbissen. Mittlerweile bin ich an einem Punkt, an dem ich sage: hey, wenn ihr mich hier irgendwie nicht so recht wollt, gibt es für mich auch noch eine andere Welt da draußen.
2006 bist du mit deiner Familie nach Berlin gezogen. Wie kam es eigentlich dazu?
LU: Das haben meine Eltern eines Tages einfach so entschieden. Meine Mutter und mein Vater haben sich zwar in London kennengelernt, aber weder er noch sie kommen von dort. Meine Mutter kommt ursprünglich aus Baden und mein Vater wurde in Jamaika geboren, lebte erst eine Zeit lang in Manchester, bevor es ihn nach London gezogen hat. Die Entscheidung nach Deutschland zu ziehen, war random und hat sich wunderbar ergeben.
Wie würdest du deine Kindheit und dein Heranwachsen in Berlin beschreiben?
LU: Sehr eindrucksvoll, sehr privilegiert und einfach sehr, sehr schön. Ich bin sehr behütet und unbeschwert aufgewachsen und habe meine Kindheit in Berlin in schöner Erinnerung. Der Umzug war extrem cool. Ich bin hier in Charlottenburg aufgewachsen, bin in Dahlem zur Schule gegangen und habe Abitur gemacht. Im Vergleich zu London ist es hier alles sehr schön grün und auch viel sicherer.
Mittlerweile lebst du seit 15 Jahren hier. Ist Berlin deine Heimat?
LU Ja, auf jeden Fall. Absolut, meine ganzen Freund:innen und Familie leben hier.
Beruflich bin ich viel unterwegs und ich freue mich immer sehr, nach Berlin-Charlottenburg zu kommen. Es ist absolut mein Zuhause.
Zurück nach England: Seit Anfang des Jahres gehören die Briten nicht mehr zu EU. Wie hast du die Zeit zwischen Brexit-Referendum im Juni 2016 bis Januar 2021 erlebt?
LU: Nach dem Referendum habe ich lange gehofft, dass der Brexit noch verhindert wird. Es war ein schleichender Prozess und irgendwann war klar, Theresa May kriegt das nicht mehr hin. Ich fand das einfach richtig traurig und habe dann sofort die britische Staatsbürgerschaft beantragt.
Warum war dir das wichtig?
In erster Linie ging es mir darum, weiterhin ohne Einschränkungen in England arbeiten zu können. Das ist jetzt für Europäer:innen nicht mehr so selbstverständlich und einfach wie vorher. Der Brexit ist sehr zu bedauern, weil es die – nach meinem Eindruck – schwache EU per se noch einmal komplett abschwächt, wenn sie ein Gründungsmitglied verliert. Außerdem wird deutlich, wie sehr Kampagnenarbeit ungebildete Schichten beeinflussen kann. Schlimm war auch, dass viele junge Leute, die von den Maßnahmen am meisten betroffen sein werden, nicht abgestimmt haben. Meiner Meinung nach ist die Abstimmung zum Brexitreferendum ein gutes Beispiel dafür, warum es hier in Deutschland keine Bürgerentscheide auf Bundesebene gibt.
„Wenn man woanders aufgewachsen ist, weiß man auch, wie außergewöhnlich frei man hier in Berlin lebt. Das wissen viele gar nicht zu schätzen.“
Was ist der größte Vorteil, in zwei Welten aufzuwachsen?
LU Tatsächlich glaube ich, dass man einfach mehr sieht, verschiedene Perspektiven erlebt und versteht, vieles in Relation zu setzen. Es macht deutlich, es gibt nicht nur diesen einen Weg, sondern mehrere Möglichkeiten und vielleicht lernt man auch, nicht alles so wichtig zu nehmen und weiß, dass Berlin nicht das Zentrum der Welt ist und es noch so viel mehr da draußen gibt. Wenn man woanders aufgewachsen ist, weiß man auch, wie außergewöhnlich frei man hier in Berlin lebt. Das wissen viele gar nicht zu schätzen.
Was liebst du an der englischen Sprache und Kultur und was ist vielleicht typisch britisch an dir?
LU: Ich bin wirklich sehr höflich!
Das ist mir ehrlicherweise sofort positiv aufgefallen.
LU: Dieses Unhöfliche, das hier in Berlin irgendwie das Nonplusultra ist, finde ich unmöglich, sogar ziemlich peinlich irgendwie. Gerade in einer Stadt wie Berlin, die vom Tourismus lebt, müsste doch der Customer Service oberste Priorität haben. Wenn sich zwei fremde Menschen im day to day life treffen und höflich und nicht schroff sind, wenn auch vielleicht oberflächlich miteinander umgehen, haben doch alle eine schönere Zeit. Wir leben in einem so schönen Land und es wäre toll, wenn wir ein bisschen freundlicher miteinander umgehen würden und man dadurch das Gefühl hätte, man achtet aufeinander.
Du hast schon in mehreren Netflix-Produktionen mitgespielt. Sind Produktionen, beziehungsweise Casts und die Gewerke per se diverser angelegt, weil sie auf den Weltmarkt ausgerichtet sind und sich nicht ausschließlich am heimischen deutschen öffentlich-rechtlichen Durchschnittszuschauer orientieren?
LU: Absolut! Also auf jeden Fall. Ich hoffe natürlich, dass damit auch Druck auf öffentlich-rechtliche oder private Sender ausgeübt wird. Denn wenn du auf dem englischen oder auf dem amerikanischen Markt bestehen willst, kannst du keinen all-white-Cast haben, weil dann halt Fragen gestellt werden, die hier bis letzten Sommer auf jeden Fall nie gestellt worden sind.
Nach welchen Kriterien suchst du deine Rollen aus?
LU: Ich habe mir immer gesagt, ich werde nicht irgendwelche Rollen, die mir qualitativ nicht zusprechen annehmen, nur um als Schauspieler zu arbeiten. Ich wollte immer auf die für mich richtigen Rollen warten und erstaunlicherweise hat sich diese Herangehensweise bisher ausgezahlt. In diesem Jahr läuft meine vierte Netflix Collaboration „How to sell drugs online (fast)“.
Eine klassische Schauspielausbildung hast du nicht absolviert, sondern bist ein klassischer Autodidakt?
LU: Genau und dabei bleibe ich auch. Ich liebe das Spielen. Und anstatt Schauspielunterricht zu nehmen, davor hätte ich sogar ein bisschen Angst, habe ich mich in der Uni für Politikwissenschaften eingeschrieben und hoffe, im nächsten Semester auch wieder in Vorlesungen gehen zu können.
Du bist nicht nur auf der Leinwand zu sehen, sondern stehst auch auf Theaterbühnen. Was reizt dich daran?
LU: Ich glaube, das wahre Schauspiel liegt irgendwo zwischen beiden Bühnen. Als Filmschauspieler besteht die Gefahr, irgendwann nur noch sehr klein, also nur für die Kamera zu spielen. Dass man nur noch für gewisse Einstellungen und Perspektiven spielt und gar nicht mehr für die Menschen im Raum. Im Theater musst du für alle Anwesenden im Raum spielen. Und ich glaube, wenn du das verlierst, verliert man auch so ein Stück von der Quintessenz, die das Schauspiel ausmacht. Deswegen macht mir beides Spaß. Natürlich gibt’s auch nichts niceres, als vor echten Menschen zu spielen und das höchste der Gefühle ist, wenn nach Premieren das Publikum wahrhaftig klatscht.
Nicht nur die Unis, auch die Theaterbühnen waren während der Pandemie geschlossen. Viele Kreativschaffende waren zum Pausieren gezwungen. Wie hast du die Stimmung in der Branche in den vergangenen Monaten erlebt?
LU: Genau zu dem Zeitpunkt, als „Unorthodox“ rauskam, ging die Pandemie los, so dass alle Premieren und Events abgesagt wurden. Als sich abzeichnete, wie erfolgreich die Miniserie sein wird, habe ich dann auch schon wieder gedreht. In der Branche haben nur noch Produktionen mit ganz viel Geld und Planungssicherheit stattgefunden. Alles, was ein bisschen experimentell war oder ein kleineres Budget hatte, wurde einfach ausgesetzt oder ganz gestrichen.
Und auch die Theater wurden geschlossen…
LU: Ja, natürlich. Es war einfach schon krass zu sehen, dass wir in der Lage sind, sehr eifrig, und etwas zynisch ausgedrückt, alles vermeintlich „Unwichtige“ zu streichen, aber vieles, was mit Arbeit im kapitalistischen Sinne zu tun hat, weiterläuft.
Für großen medialen Wirbel sorgte die Kampagne #allesdichtmachen. Namenhafte Schauspieler*innen kritisierten Ende April mit ironisch und satirisch gemeinten Videos die Corona-Politik der Bundesregierung und die Medienberichterstattung zum Thema. War das eine notwendige Aktion?
LU: Nein, absolut nicht notwendig. Wir leben in einem freien Land und jeder und jede kann selbstverständlich sagen und machen, was er oder sie möchte. Aber der Sinn von Satire ist, dass sie witzig ist und das waren die Videos gar nicht. Natürlich gibt es Kritikpunkte an den Maßnahmen, die ich auch nicht alle richtig und gut finde. Aber ich habe auch ein Problem damit, wenn gerade die Schauspieler:innen, die relativ gut arbeiten und viel Geld verdienen –es waren ja ein paar sehr prominente Namen bei der Aktion darunter – so tun, als hätten sie ähnlich viel auszuhalten wie Schauspieler*innen, die in sehr kleinen Wohnungen leben, die Kinder ernähren müssen, die nicht in die Schule gehen. Ich finde es außerdem problematisch, wenn das Selbstverständnis einiger Schauspieler:innen so weit geht, dass sie sich zu öffentlichen Statements hinreißen lassen, obwohl sie von dem Thema keine Ahnung haben. Vielleicht sollten sie das in Zukunft lieber lassen.
Bei der Europameisterschaft gab es Pfiffe aus dem Publikum, weil Spieler sich mit der Black Lives Matter-Bewegung solidarisiert haben. Wo stehen wir ein Jahr nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd?
LU: Die Pfiffe sind ein Beleg dafür, dass es noch Menschen gibt, die ein Problem mit Rassismusgegenmaßnahmen haben. Es ja nicht so, als würde man mit dem symbolischen Kniefall irgendwelche Probleme lösen, aber es ist ein sehr starkes Zeichen auf so einer großen Bühne. Was ich total cool finde! Und man darf nicht vergessen, dass außerhalb unserer Bubble, nicht nur die AfD, sondern auch Teile der CDU-Wählerschaft Probleme mit schwarzen Menschen haben, nur weil sie schwarz sind und meinen, Deutschland ist ein weißes Land und das solle auch so bleiben. Das sind bestimmt gefühlt 15 bis 20 Prozent, die sagen, Deutschland solle so bleiben, wie es ist. Auch wenn es schwer auszuhalten ist, muss man das klipp und klar benennen, dass es diese Menschen gibt und anerkennen, dass auch diese Menschen ein Recht auf ihre Meinung haben und sich selber immer wieder klar positionieren. Ich glaube es gibt nichts Gefährliches, als diese Gruppe immer nur kleinzureden und zu behaupten, es wäre immer nur eine Momentaufnahme, eine nur kurze Reaktion und Stimmungsbarometer auf ein bestimmtes Ereignis. Ich denke, es gibt einfach eine feste Gruppierung mit völkischem Gedankengut in der deutschen Gesellschaft. Aber wiederum auch, dass eine gut funktionierende Gesellschaft eine gewisse Spannung aushalten können muss.
Im aktuellen Bundestagswahlkampf spielen Fragen zur Chancengleichheit oder Rassismus bisher – wenn überhaupt – eine untergeordnete Rolle. Nimmst du das auch so wahr und was sagt das über die politische Debatte aus?
LU: Ja, das stimmt, das nehme ich auch so wahr. Wir haben dieses Jahr eine sehr, sehr besondere Situation, weil alle Parteien außer der CDU und den Grünen um die 10 Prozentmarke herum kämpfen.
Welche Erwartungen oder Forderungen hast du an die Politik?
LU: Ich persönlich würde mir wünschen, dass wir einem Linksbündnis eine Chance geben, das aber sehr unwahrscheinlich ist. Nichtdestotrotz finde ich, dass in diesem Land, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr viel gut läuft und es den meisten sehr gut geht und wir in einem tollen Land leben. Was nicht sein darf ist, dass das Einkommen und der Bildungsstand der Eltern darüber entschieden, welche Aufstiegschance ihre Kinder haben. Außerdem bin ich dafür, dass die Hartz-IV-Sätze auf ein menschenwürdiges Niveau angehoben werden. Dabei geht es im Endeffekt wieder um die Kinder, die nichts dafürkönnen, dass ihre Eltern arbeitslos sind und mit einer krass geringen Lebensqualität leben. Und das in einem der reichsten Länder der Welt. Diese Punkte sprechen vor allem linke Parteien an.
Du hast bereits an der Seite von Iris Berben und Katja Riemann gespielt. Was konntest du dir von diesen beiden erfahrenen Schauspielerinnen abgucken?
LU: Mit Katja Riemann habe ich mich persönlich sehr gut verstanden und dabei kapiert, wie schwierig es ist, sich als Frau in dieser männerdominierten Branche über die Jahre hinweg durchzusetzen. Von ihr habe ich außerdem gelernt, dass es sich lohnt, seiner Linie treu zu bleiben, auch wenn man dafür sehr viel Kraft aufwenden muss, weil es ohne anzuecken nicht gehen wird.
Was können wir als nächstes on dir sehen und welche Rollen würden dich reizen?
LU: Als nächstes kommt die Serie How To Sell Drugs Online (Fast)“ raus. Sie läuft schon in der dritten Staffel und ich stoße als neuer Charakter hinzu. Richtig Lust hätte ich momentan, mal etwas richtig Absurdes zu spielen, wie in einer Sci-Fi-Serie beispielsweise.
Schnelle Runde entweder oder.
Also Fish and Chips oder Döner Kebab
Jazz oder Hip-Hop
U-Bahn oder Fahrrad
Theater oder Netflix
WhatsUp oder Signal – Antwort: iMessenger (lacht)
Queen Elisabeth oder Angela Merkel.
Träumst du eigentlich auf englisch oder deutsch? Beides!
Text: Wiebke Dierks
Photograph: Julien Fertl
und wenn sie nicht
- Beitragsautor Von admin
- Veröffentlichungsdatum 4. Januar 2022
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Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute….
Die ungewöhnliche Geschichte von Irma Wendler und ihrer Firma 711 Rent, die Equipment für Film und Photos verleihen.
Diese Geschichte ist eigentlich die Vorlage für einen Hollywood Film:
Junges, hübsches Mädchen aus den Niederlanden kommt zum Modeln nach
Hamburg und verliebt sich dort in einen Photographen. Heiratet ihren Prinzen, bekommt zwei Kinder und könnte fortan in ihrer Hollywoodschaukel sitzen und es sich gut ergehen lassen. Klingt zu kitschig – ist es auch für Irma. Nachdem ihre Kinder größer sind und nicht mehr ihre volle Aufmerksamkeit brauchen, sucht sie nach neuen Herausforderungen. Wie so häufig ist es der Zufall, der ihr zur Hilfe kommt. Da sie durch ihren Hintergrund als Model und durch ihren Mann, immer noch eng mit der Szene verbunden ist, wird sie von einem befreundeten Photographen um Hilfe gebeten. Er braucht dringend ein bestimmtes Equipment am Wochenende, was er kurzfristig nirgendwo finden kann. Irma kann helfen. Nutzt ihre alten Kontakte und hilft dem Bekannten aus der Patsche. Eine Idee war geboren. In einem Land, wie Deutschland in dem noch vor 13 Jahren nach 18 Uhr und am Wochenende so gut wie gar nichts mehr ging, stieß ihre Servicebereitschaft auf fruchtbaren Boden. Sie war da, wenn andere noch oder schon geschlossen hatten, sie half aus mit Sachen, die sonst keiner beschaffen konnte, selbst wenn sie aus dem Ausland kamen – es halfen ihre alten Kontakte aus der Zeit als Model. Sie bescherte der Hamburger Photoszene ein bisher rares Gut: Dienstleistung. Freundlich, hilfsbereit und vor allen Dingen unkompliziert. Die ersten Monate noch aus der Garage ihres Wohnhauses heraus, aber nach 4 Monaten dann schon mit ganz eigenen Räumlichkeiten.
So weit, so mittel hollywood-mäßig, eher Berliner Start-Up-mäßig, denn dann geht es auf einmal immer schneller. Nach 3 Jahren sind die alten Räume zu klein, Hamburg als Markt zu eng. 711 Rent geht auf Expansionskurs. Erst entsteht ein Ableger in Düsseldorf. In den Niederlanden, ihrer alten Heimat, entsteht ein drittes Standbein, eine 711 Rent Filiale in Amsterdam – so kann sie auch immer mal wieder Heimatbesuche mit der Arbeit verbinden. Paris, Frankfurt, Barcelona, Mallorca und Berlin folgen. Plätze, die eigentlich schon mit genügend Konkurrenz belegt sind, kann sie mit ihrer Mischung aus Dienstleistung, Hilfsbereitschaft und Unkompliziertheit erobern. Selbst als die Jobs im Photobereich rarer werden, ist sie schnell und orientiert sie sich in Richtung Film und Video. Vergrößert ihr Sortiment. Flexibilität und marktgerechtes Arbeiten sind ihre Stärken. Ein Team aus über 45 Mitarbeitern helfen ihr dabei ihre Philosophie umzusetzen. Sie hält die Fäden zusammen, ist der Kommunikator, sorgt für ein angenehmes Ambiente, damit die Standorte nicht zu Lagerhäusern für Equipment verkommen. Technisches Know-how liefern ihre engsten Mitarbeiter, Irma ist fürs große Ganze da. Mittlerweile ist schon die zweite oder dritte Generation an Kunden entstanden. Praktikanten, die zu Photo-Assis wurden und schon ihre ersten Test-Photos machen, werden genauso gut betreut, wie alte Profis. Kundenbindung durch Service und Freundlichkeit.
Für diese Ausgabe von CYTE hat 711 Rent uns unterstützt. Ohne ihre Hilfe wären alle diese Photos und Videos fürs Heft nicht so gut entstanden. Ohne ihren Equipment Trolley wären wir auf dem Tempelhofer Feld im Regen verloren gewesen. Ihre Filmkameras haben die Qualität unserer Videos nochmal gesteigert. Und vor allen Dingen gefällt uns der Gedanke, dass man Dinge nur ausleiht und nicht kauft. Nachhaltigkeit in seiner reinsten Form.
Ach so, die Prinzessin lebt noch immer, aber wird nicht müde sich neue Dinge auszudenken und ihren Service noch weiter zu verbessern. Hollywoodschaukel muss noch warten.
Text: Stephan Ziehen
Photos: 711 Rent
Modelwerk
- Beitragsautor Von admin
- Veröffentlichungsdatum 4. Januar 2022
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Modelwerk
Interview mit Claudia Midolo
Modelwerk wurde 1995 gegründet. Erzähl mir ein bisschen von den Anfängen.
Wie kam es, dass Du eine Modellagentur gründen wolltest?
Das hat eigentlich schon vor 1995 angefangen, denn ich habe ja früher auch selbst gemodelt und Leistungssport (Rhythmische Sportgymnastik) gemacht. Daraus resultierend habe ich sehr viel getanzt, also erst Ballett und dann Street – und HipHop-Dance. In meiner Model-Zeit, 1992 bis 1994, habe ich dann eine sogenannte „Tanzgruppe für gegangene und getanzte Modeschauen“ gegründet. Dazu habe ich meine Model-Freunde*innen eingeladen und wir haben dann Modeschauen für Wella und H+M gemacht. Für die sind wir auf Tourneen gegangen, die total viel Spaß gemacht haben. Aber auf Grund meiner Körpergröße von 1,70, was ja klein ist für ein Modell, war immer der Druck da, doch noch eine Alternative zum Modeln zu haben. Ich habe dann angefangen Betriebswirtschaft zu studieren. Dennoch habe ich weiterhin diese Tanzgruppe geleitet und daraus hat sich die Modelagentur gegründet. Da ich auch vorher schon meine Model-Freunde immer beraten habe, lag das nahe. Es gab zu dem Zeitpunkt kein richtiges Management für Models, man hat sie zwar vermittelt aber man hat nicht versucht, ihre Karriere zu leiten und zu lenken. Dazu hatte ich aber Lust, denn dieser Management-Aspekt war so mein Ding, so dass ich dann angefangen habe meine Model-Freunde*innen zu beraten, was sie tun sollten. Das war die Zeit vor Handys, das heißt ich kam von der Uni nach Hause – da habe ich noch bei meiner Mama gewohnt, also klassische Kinderzimmer-Production – und mein Anrufbeantworter war voll mit Jobanfragen von Kunden wie Nivea, Otto usw.
Also habe ich gedacht, jetzt da ich mein Vordiplom in der Tasche habe, die Tanzgruppe geleitet habe – versuch’s doch einfach, was hast Du schon zu verlieren.
Und dann habe ich im Mai 1995 offiziell das Modelwerk gegründet und zwar in der Rothenbaumchaussee 5, im Souterrain, Räumlichkeiten die mir auf dem Weg zur Uni aufgefallen sind. Das war so ein Abrissraum in dem Partys stattfanden, der aber zur Vermietung stand. Ich hab angerufen und mit dem Vermieter ausgehandelt, dass ich alles selbst renoviere und dafür die ersten 3 Monate mietfrei dort sein kann.
Ich habe dann zusammen mit meinem Papa alles selbst gemacht, tapeziert und verputzt und dann ging’s los!
Was hast Du anders als andere Agenturen gemacht? Gab es ein Alleinstellungsmerkmal?
Da die Models ja alle meine Freunde waren und auch tanzen konnten, haben wir uns in zwei Dingen von den anderen Agenturen unterschieden: einerseits konnten sich alle sehr gut bewegen und dann waren es alles nur deutsche Models, was damals nicht üblich war. Man hatte in den Agenturen hauptsächlich Amerikaner und Kanadier, aber kaum Europäer oder gar Models aus dem Ostblock und Russland, das war damals noch nicht möglich. Brasilianer waren in Deutschland auch noch nicht angesagt, sondern halt in erster Linie Amerikaner.
Aber ich hatte auf einmal eine Handvoll von deutschen Models und habe es gewagt den damals aufkommenden Grunge und Heroin-Chic aufzugreifen. Da sagte man hier „das will der deutsche Markt nicht, wir sind ein Katalogmarkt“. Es musste alles glattgeputzt und schön sein. Aber ich wollte unbedingt was Modernes machen.
Das heißt es gab einen spezifischen Modelwerk-Look?
Da ich ja selber nie als Bookerin oder so in einer anderen deutschen Agentur gearbeitet habe, hatte ich auch kaum einen Einblick in die deutsche Agenturwelt. Die war mir gegenüber auch eher feindlich gesinnt oder hat sich über mich lustig gemacht. Also habe ich mich stattdessen ganz stark an New York orientiert, denn das war mein Traum: Nach New York gehen. Ich habe mir dort sehr viel angeguckt und hinzu kam, dass die New Yorker mir aufgrund meines bunten Potpourris von Models sehr zugetan waren. Die Amerikaner sind auch eher pragmatisch, sehr hands on und haben erkannt, dass ich ihnen 30, 40 Models zukommen lassen kann. Etwas, was sonst keine deutsche Agentur gemacht hat. Die Amerikaner sind nicht so auf Historie aus, wenn sie sehen, da macht jemand etwas gut, dann bekommt man auch eine Chance. Das war in Europa ganz anders. Also habe ich mich daran orientiert – vor allem an Company Models und Ford Models – habe meine Models dort alle platziert und außerdem verstand ich mich ja mit meinen Models sehr gut, war mit ihnen befreundet, so dass die mir erzählt haben, wie das bei den amerikanischen Agenturen funktionierte, was sie dort erlebt haben.
Das heißt alles ergab sich daraus, dass du selbst als Model gearbeitet hast, diese Tanzgruppe mit gegründet hast, dass du ein anderes, tieferes Verständnis für alles hattest und dass du mit deinen Modellen befreundet warst?
Ja, ich habe mich jahrelang auch eher auf der Model-Seite gesehen, denn ich hatte ja nun selbst erlebt, wie es ist am Set zu stehen und eventuell Dinge zu tun, die ich nicht tun wollte.
Instagram im speziellen, aber auch andere Social Media Kanäle stehen immer wieder mal in der Kritik. Es geht um Optimierungsdruck, um Follower, um die Unerreichbarkeit der Idole, die sich durch Filter und Photoshop noch weiter idealisieren. Auch für Modelle ist es ja weitaus wichtiger geworden viele Follower zu haben. Wie stehst Du zu dieser Kritik? Was bedeutet Social Media Dir?
Ich finde Social Media ist eine Riesenchance für Modelle. Deshalb haben wir ja auch die Modelwerk Academy gegründet. Ich sehe es auch aus der eigenen damaligen Brille: Wenn ich damals die Chance gehabt hätte als Model Socialmedia zu nutzen, hätte ich daraus etwas gemacht. Ich habe es geliebt vor der Kamera zu stehen und da kreativ zu sein. Aber auf Jobs zu warten und nichts machen zu können fand ich schrecklich. Man fühlte sich so ausgeliefert und machtlos. Und ich arbeite lieber für ein Ergebnis. Durch Instagram hat man als Model mehr Beeinflussungs-Möglichkeiten. Man muss das aber ganz klar sehen, und das versuchen wir auch den jungen Models beizubringen, das ist ein Business-Account. Du spielst da nicht Dein privates Leben drauf. Das ist total gefährlich. Wenn ein junges Mädchen hier mit 16 Jahren als Model anfängt, muss sie zwei Accounts haben. Einen privaten, wo sie ihre Party Photos etc. posten kann und einen Business Account. Und natürlich will der Kunde ein Blick hinter die Kulissen, im Grunde ersetzen wir damit heute das Casting und das GoSee und so ein bißchen das persönliche Erlebnis mit einem Model. Aber gesteuert! Wenn ich früher als Model auf ein Casting gegangen bin, ließ ich da ja auch nicht die Hosen runter und gab alles von mir preis, sondern ich stellte die Facette „Model“ von mir dar und vielleicht Hobbies, die dazu passen: ich bin Tänzerin, Sängerin oder ich spiel Klavier, alles was Dich halt interessant macht. Und das interessiert natürlich auch andere junge Mädchen, die dadurch die Möglichkeit haben an diesem Glitzerleben teilzuhaben – aber vielleicht auch zu sehen, dass es nicht immer Glitzer ist. In unser Akademie animieren wir unsere Mädchen zur Ehrlichkeit. Das heißt wir sagen: benutz keine Filter, keine totale Retusche – klar, einen Pickel an der Backe kann man weg machen, aber keine totale Verfälschung der Tatsachen. Auf den Instgram Accounts der Models wollen wir natürliche Bilder, ein kleinen Blick hinter die Kulissen, damit der Kunde versteht, wer ist ist sie eigentlich? Zusätzlich haben wir noch eine sogenannte „Talent“ Abteilung, wo auch Influencer*innen sind. Da mag das teilweise anders sein, da werde ich später noch drauf eingehen. Die Model Instagram Accounts sind nicht dazu gedacht, durch den Account Geld zu generieren, sondern praktisch mich als Model dem Kunden näher zu bringen und dem Kunden eine Plattform zu geben, so dass er zeigen kann: ich arbeite mit einem Model zusammen das interessant ist.
Ausserdem geht ihr mit der Modelwerk Academy auch neue Wege und unterrichtet alle Interessenten über den Umgang und die Erfolgsmaximierung von Social Media. Wie kam es dazu und wie funktioniert das?
Social Media ist anders als modeln. Modeln ist ein bisschen „learning by doing“, man muss ganz viel machen, aber man kann das nicht in der Theorie lernen.
Social Media muss man richtig lernen, da braucht man Theorie: wie soll mein Feed aussehen, was sind Reels, schreibe ich Texte, kann ich Filter benutzen und was gebe ich überhaupt von mir preis. Man muss bereit sein, sich an den Computer zu setzen, man muss sich mit Software auskennen, man muss schneiden können,
man muss in einer harmlosen Form Bildbearbeitung können, man muss texten können, man muss in irgendeiner Art kreativ sein und sein eigner kleiner Art-Direktor sein. Man muss seinen Feed strategisch und kreativ planen, damit der wirklich gut aussieht. Das ist für ein 16, 17jähriges Mädchen nicht mal eben so zu lernen und wir können das auch im Daily-Business nicht so nebenbei vermitteln, das ist nicht zu schaffen. Die Academy ist eine wirkliche Weiterbildungsmassnahme. Die wir aber mit Kooperationen, Goodie-Bags etc. anreichern, so dass im Besten Fall auch gleich wieder ein bißchen Geld für die neuen Mädchen reinkommt. Meine Konkurrenz sieht das zwar kritisch, und ich habe auch lange darüber nachgedacht, aber die Mädchen
zahlen ja dafür, wenn auch nicht sofort. So wird es ihnen später von den bezahlten Jobs wieder abgezogen. Hier in Deutschland galt immer, dass alles mit der Agenturprovision abgegolten ist. In Amerika ist es aber Gang und Gebe das zum Beispiel Schauspieler Workshops machen, die sie dann natürlich auch bezahlen.
Bei uns soll ein umfassender Unterricht, wo man dann auch zum Teil von „Stars“ gecoacht wird, umsonst sein – das funktioniert so nicht. Es hat auch noch einen psychologischen Effekt: wenn ich bereit bin für meine Weiterentwicklung zu bezahlen
und in mich selbst zu investieren, positioniere ich mich für mich selbst als Marke ganz anders. Erstens glaube ich dann an mich. Zweitens setze ich mich auf den Hosenboden, weil ich mich dazu entschieden habe etwas richtig zu machen. Das sind Aspekte, die total wichtig sind und gerade heute, wo es so viele Models gibt, trennt sich durch so etwas die Spreu vom Weizen. Nämlich die, die an sich arbeiten, fleissig sind und sich weiterentwickeln und die, die denken sie bekommen alles geschenkt. Das funktioniert leider nicht mehr.
Selektiert Ihr denn da vor, wer daran teilnehmen darf?
Ja, schon. Die meisten sind allerdings unsere New Faces, die wir bereits aufgenommen haben. Aber es sind immer 20 Plätze, die wir vergeben, davon sind fünf für solche, die sich von außerhalb bewerben können. Meistens sind es dann aber Menschen, die wir nicht als Model weiterentwickeln, weil sie nicht das Potential dafür haben, aber bei denen wir erkennen, dass sie sich als Influencer positionieren können. Um als Influencer*in erfolgreich zu sein und mit diesem – durchaus spannenden – Beruf wirklich auch Geld zu verdienen, braucht man mindestens 50.000 Follower. Wenn wir das in dieser Person sehen, dann hat sie die Möglichkeit bei uns als Influencer*in in unserer Talent-Abteilung aufgenommen zu werden.
Das heißt, Eure Scouting-Abteilung @wearebeautiful.de filtert grundsätzlich, die, die dann später auch die Academy besuchen können?
Genau, das passiert sowohl passiv als auch aktiv, also man kann sich dort proaktiv selbst bewerben aber wir schreiben unter Umständen auch Leute an. Früher war ich ziemlich intensiv auf Streetscouting, heute sitzt man dann eher auf dem Sofa und geht auf seinem Handy die sozialen Netzwerke durch und schreibt dann entsprechend Menschen an, die einem auffallen.
Das Casting hat sich also damit grundlegend verändert, die Wege, wie man Leute findet sind ganz andere als noch vor ein paar Jahren. Ist das einfacher?
Es ist im ersten Moment einfacher. Dann kommt jedoch dazu, dass die Zielgruppe, die wir damit ansprechen, die 14 bis 18jährigen, sich sehr stark retuschiert, viele Filter benutzt. Und ich sehe natürlich auch nicht ihre Körpergröße auf den ersten Blick. Wenn aber der erste Gesamteindruck stimmt, dann schreiben wir die Personen an und lassen uns weiteres Material und Infos geben. Mal passt es dann, oder eben auch nicht.
Würdest Du sagen, dass sich die Gewichtung verändert hat? Gibt es weniger klassische Modeljobs und dafür mehr Interesse an Influencer*innen? Beziehungsweise nicht direkt Influencer*innen aber zumindest hat in meinen Augen eine Abkehr des „hübschen, gut aussehenden“ Models hin zu einerseits mehr Diversity und andererseits zu, ich nenne es mal, „abseitigen“ Models stattgefunden in den letzten Jahren. Ich erinnere zum Beispiel die erste Show von Virgil Abloh, nachdem er von Off White zu Louis Vuitton kam, im Palais Royal in Paris. Da waren überproportional viele asiatische und schwarze Models und auch sehr ungewöhnliche, „schräge“ Typen dabei. Oder auch, dass in den klassischen Bereich inzwischen das Curvey-Model viel stärker eingesetzt wird.
Insgesamt kann man ganz eindeutig sagen, dass Social Media und aus meiner Sicht zusätzlich die Corona-Pandemie als Brandbeschleuniger, diesen Trend sehr gepusht haben. Ich habe das aber auch vor Corona schon gesehen, vor zwei Jahren, als TikTok aufkam, was da passiert ist und was dort für Menschen erfolgreich waren. Mein Team hat die Augen verdreht und mich für wahnsinnig erklärt, was ich für komische Typen gecastet habe. Aber ich hab nur gesagt: „wartet es ab, wir dürfen das nicht verpennen. Wir testen das jetzt aus und wenn es nichts wird, dann lassen wir es wieder.“ Naja und dann ging Corona los und wir hatten verschiedenste soziale Bewegungen – ohne eine davon verunglimpfen zu wollen, aber es sind in gewisser Hinsicht ja auch Modetrends, die sich hier Bahn brechen. Modetrends werden ausgelöst durch Zeitgeist. Themen wie Black Lives Matter, Body-Positivity, Nachhaltigkeit, Inclusion, LGBTQS und so weiter sind alles Themen, die Individuen an die Oberfläche bringen. Und es sind Themen, die derzeit einen Erfolg mit sich bringen. Es ist also so, dass ein klassisches Model, mit perfekten Maßen, wunderschön, einen gleichwertigen Stellenwert hat wie ein Mädchen, das ohne ebendiese körperliche Auszeichnung aber mit einer Bombenausstrahlung gesegnet ist. Ich habe so ein Mädchen. Die arbeitet jeden Tag, ist voll ausgebucht. Noch vor fünf Jahren wäre das undenkbar gewesen. Es hat sich da wahnsinnig viel getan und man kann sagen, jede*r kann Model sein, wenn sie, er für das was sie, er darstellt schön ist, ohne das Klassische damit zu bedienen.
Das ist wirklich eine tolle Entwicklung und das, was Du erzählst klingt einfach gut. Aber wie steht es mit Unternehmen, die sich mit schwarzen Models des Trends wegen präsentieren oder auch so ein Thema: alle geben sich jetzt so nachhaltig, recyceln ihre Klamotten und das alles von einem Tag auf den anderen. Das ist aus meiner Sicht in erster Linie Marketing, ich glaube denen das nicht!
Das stimmt, das wirkt häufig nicht authentisch und scheint rein dem Trend zu entspringen. Andererseits ist aller Anfang schwer und man probiert sich aus, testet Dinge, verwirft sie wieder. Wenn ich nur bei mir schaue, wie oft war ich schon Vegetarierin, wie oft Veganerin, eine Zeit lang habe ich nur auf dem Demeter-Hof in meiner Region eingekauft. Dadurch habe ich zwar tolle soziale Projekte mitinitiiert, die ich bis heute unterstütze – aber Veganerin bin ich gerade nicht mehr und ich habe mir auch wieder ein paar Schuhe gekauft, die ich unbedingt haben wollte, die sind aus Leder. Was ich damit sagen möchte ist, dass man sich an Neuem versucht, man versucht besser zu werden, man möchte Dinge richtig machen. Und nur, weil man zuvor Dinge nicht oder anders gemacht hat und dann neue Dinge testet, ist das per se ja nicht schlecht. Dass das nicht immer funktioniert und man nicht immer stringent daran festhält? Gut das ist dann überall anders, aber zurück zu meinem Vegetariertum: es ist doch besser, wenn ich nur noch ein Mal in der Woche Fleisch esse, weil ich es nicht ganz durchgehalten habe, als jeden Tag. Und zu guter Letzt sind wir ein profitorientiertes Unternehmen und müssen bis zu bestimmten Grenzen dem Markt folgen.
Was würdest Du gerne in der Branche ändern, was wäre Dein Wunsch an die Branche?
Dieser Kult „Dünne Models“. Ich war lange genug selbst Model und dieses ewige auf Diät zu sein, morgens ein Brötchen zu essen und dann den ganzen Tag nichts mehr. So habe ich sehr lange gelebt. Das ist echt schwierig. Ich hab Mädels gesehen, die ich auch selbst betreut habe, die bekamen dann ihre Periode nicht mehr und wenn die dann so Mitte, Ende zwanzig werden und sich eventuell auch mit dem Gedanken „Kinder“ auseinandersetzen und Angst bekommen, ob das für sie überhaupt jemals noch etwas werden kann, das ist wirklich grenzwertig. Ich finde gar nicht, dass jetzt alle curvy sein sollen. Es gibt doch dieses berühmte Bild aus den 90ern von Richard Avedon, auf dem die Models alle so metallic Miniröcke anhaben und die leicht hochziehen – Claudia Schiffer ist dabei, Stephanie Seymour, Cindy Crawford. Ganz ehrlich, heute hätten wir die alle auf Diät gesetzt, da sind ganz ordentliche Stampferchen dabei. Das waren doch wunderschöne Frauen! Warum geht das heute nicht mehr? Ich würde mir wünschen, dass das unser Schönheitsideal heute wieder wäre. Die waren schlank, aber nicht krank.
Das stimmt und das Interessante daran ist, dass man sich fast mit jedem in der Branche darauf einigen könnte. Alle sagen es doch, dass das Verhungerte nicht schön ist, oder?
Ich glaube aber, dass die meisten es zwar sagen, aber nicht meinen. Zumal wenn sie über High-Fashion sprechen. Und das ist ja nunmal das, was die Mädels, die hier zu uns kommen wollen, High-Fashion. Die wollen zu Chanel, Gucci, Prada etc. und da ist das immer noch der Massstab. Wenn die mal eine Curvy auf den Laufsteg schicken, dann ist das eine von 50. Also wenn das ernst gemeint wäre, dass man das ganz Dünne nicht mehr wollte, dann wäre es schon passiert.
Deine Modellagentur ist mit über 70 Mitarbeitern die größte Deutschlands. Wie behältst Du den Überblick oder anders, wie kam es überhaupt dazu, dass das so groß wurde?
In 26 Jahren ist viel passiert, es ist stetig gewachsen und ist Teil meiner DNA, das Geschäft ist meine Leidenschaft, ich habe einfach mein Hobby zum Beruf gemacht. Ich habe schon immer Magazine gelesen, angeguckt, Photographenbücher geblättert wie andere heute vielleicht Netflix gucken. So konsumiere ich alles, was die Branche in die Welt setzt. Ich bringe kein Opfer, ich lebe das. Und wie es so groß wurde? Angefangen habe ich ja mit meiner besten Freundin und meinem damaligen Freund, mit 22. Beide waren jahrelang hier mit mir. Das war wie ein Spiel, das einfach immer größer wurde. Es gab dann irgendwann diverse Übernahmeangebote. Ich wollte das nie, ich wollte unabhängig bleiben. Zwischendurch gab es Gedanken, selbst Dependancen aufzumachen. Das habe ich aber dann auch verworfen, weil ich mir sicher war, dass man das gesamte Geschäft gut aus Deutschland heraus steuern konnte und fand es auch nicht zeitgemäß. Es gibt so viele gute Menschen, Models, Kreative, Photographen, warum muss man unbedingt international vertreten sein? Und das klappt gut. Wenn ich mir unsere Umsatzzahlen angucke werden 40% nicht mit deutschen Kunden generiert sondern mit europäischen.
Jetzt nochmal zurück in die 90er. Welche waren Deine Lieblingsmodels?
Ha! Das ist einfach. Mein allerliebstes Lieblingsmodel ist Christy Turlington. Von ihr hängt zu Hause auch ein sehr großes Bild an der Wand – und daneben Madonna. Das waren eigentlich immer die zwei Idole, die mich angetrieben haben.
Welchen Film würdest Du gerne mit Deinen Models neu besetzen?
Hmm, mein erster Gedanke ist Studio 54 der zweite Gedanke ist etwas total klassisches, Casablanca zum Beispiel oder Die Vögel.
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Sport oder Sofa? Beides, auch wenn ich mich zum Sport etwas quälen muss
Pop oder Klassik?
Süss oder salzig?
Berge oder Strand?
Erfolg oder Glück? Beides, das eine geht nicht ohne das andere
Dein Motto? Ohne Fleiß kein Preis
Bester Tip? Bleib Dir selbst treu – aber überprüfe Dich dabei immer und verfolge Dein Tun mit Ehrgeiz
Interview: Stephan Ziehen
Photos: Modelwerk
Hood
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- Veröffentlichungsdatum 17. Januar 2020
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CREDITS
Photograph: Stephan Ziehen #stephanziehen – Styling: Anna Kühmstedt #annakuehmstedt – Hair+Make-Up: Frauke Bergemann-Gorski@Kult Artists #fraukebergemann #kultartists – Modell: Muriel@Mega Model Agency #murieldng #megamodelagency – Talent: Riccardo Basile@Mega Artists #riccardobasile #mega_artists – Art-Direction: Jo Kühmstedt #j4studio
Richmond
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- Veröffentlichungsdatum 17. Januar 2020
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Richmond
Selena Gomez, Justin Timberlake, Bella Thorne oder Demi Lovato – sie alle begannen ihre Weltkarriere im Kinderfernsehen. Dass sie davon noch weit entfernt ist, dessen ist sich Sarah Richmond bewußt. Ihre Mutter ist Deutsche, ihr Vater stammt aus den USA. Sarah trägt also zwei Welten in sich.
Als die 22-Jährige vor einem Jahr ihre Uni abschloss, hatte sie nicht damit gerechnet, gleich von RTL Disney engagiert zu werden. Ein Mal wöchentlich lockt sie gemeinsam mit Co-Moderator Jonas Himmel die jüngste Generation mit der „Toggo Show“ vor den Bildschirm. „Noch vor zwei Jahren habe ich mich dort als Praktikantin beworben und heute stehe ich für Toggo vor der Kamera und habe tatsächlich die Chance, zwei Leidenschaften zu verbinden. Meine Liebe zu Kindern und zum Moderieren. Ich warte noch darauf, dass mich jemand kneift!“.
Auch privat könnte es kaum besser laufen. Im Juni bekam die Deutsch-Amerikanerin auf Mallorca einen Antrag von ihrem langjährigen Freund Julian Weigl. Freundinnen von Fußballspielern fallen häufig eher durch ausgiebige Shoppingtouren bei Gucci & Co auf. Sarah tickt anders – Julian ist Profi-Kicker bei Borussia Dortmund – ihr ist es immens wichtig, auf eigenen Beinen zu stehen. „Für mich persönlich ist die berufliche Unabhängigkeit das Erfolgsrezept unserer Beziehung. Nicht nur finanziell, sondern vor allem wegen des sozialen Aspektes. Man umgibt sich mit verschiedenen Personen aus anderen Umfeldern und mit anderen Ansichten. Ich bin mir sicher, dass das der Grund ist, warum wir beide so offen sind. Wir beide können unabhängig voneinander unsere Traumberufe ausleben. Und gleichzeitig interessiert Julian sich genau so für meinen Beruf, wie ich mich für seinen. Es ist für mich immer das Highlight nach einem langen Tag, wenn wir uns gegenseitig unsere Geschichten des Tages erzählen und alles Revue passieren lassen können. Wir unterstützen uns, wo es nur geht und geben uns Ratschläge, wenn wir mal nicht weiterkommen oder einen Tiefpunkt haben.“
Wer etwas mehr Zeit mit Sarah verbringt, merkt, dass sie angenehm bodenständig ist. Auch wenn ihr Verlobter in einem Millionen-Business arbeitet, vergisst Sarah niemals ihre Herkunft: Mit ihrer älteren Schwester wuchs sie bei ihrer Mutter auf; ihre Eltern trennten sich, als sie noch sehr klein war. Aber beide Elternteile haben sie geprägt: „Ich liebe meinen Vater bedingungslos – genau wie meine Mutter. Sie hat meiner Schwester und mir vorgelebt, was man alles schaffen kann! Und dass kein Rückschlag und keine Not so groß ist, dass man daran zerbrechen sollte. Sie hatte zeitweise drei Jobs gleichzeitig. Und auch wenn sie dadurch oft unterwegs war, war sie dennoch immer da. Klingt widersprüchlich, aber was ich damit meine ist, dass sie uns nie im Stich gelassen hat. Alles, was sie tat, den ganzen Stress hat sie nur für uns aufgenommen. Heute könnte ich vor Glück platzen, wenn ich sehe, dass sie sich auch mal etwas gönnt, jetzt wo wir beide erwachsen sind. Und doch kann sie es nicht ganz lassen: Bis heute besteht sie darauf, meine Handyrechnung zu bezahlen. Ich glaube, sie wird nie aufhören, alles für mich und meine Schwester zu geben.“
Bevor bei Sarah selbst Kinder geplant sind, begibt sie sich auf den beruflichen Karriereweg. Am liebsten würde sie später eine Quiz-Sendung moderieren, die Wissen und Entertainment vereint. Ihr Hang zum Perfektion und Disziplin wird dabei helfen, das Ziel zu erreichen: „Ich strebe immer nach mehr, bin häufig mit mir unzufrieden und verpasse manchmal den Moment, auch mal stolz auf mich zu sein. Seit diesem Jahr hat sich das Blatt aber gewendet. Ich hatte mir vorgenommen, mir zwar hohe Ziele zu setzen, aber auch stolz auf die kleinen Errungenschaften zu sein! Bisher klappt das ganz gut.“