SF1OG – Backstage
1.Februar 2025 – Berlin, Halle am Berghain
Ich habe mich immer schwer getan mit der Berliner Fashionweek. Irgendwie haben Berlin und seine Designer es bisher nicht geschafft, sich modisch so zu präsentieren, wie es Paris, Mailand und London tun. Entweder waren die Sachen zu gebastelt und verkünstelt oder sie waren zu mainstreamig und kommerziell. Es scheint immer zu wenig Geld da gewesen zu sein und mit dem wenigen wurde dann häufig das Falsche gemacht. Immer waren nur B- und C-Celebrities und Models am Start, immer gab es ein Schuhproblem und immer hatte man das Gefühl, es sei alles unangenehm provinziell – dabei propagieren alle immer das Gegenteil.
Selten gab es eine Verbindung zwischen der Stadt, der Mode und deren Macher. Kaum einer hat es geschafft, den Spirit der Stadt, die Subkultur und den Underground, die Clubszene und ihre Diversität in Mode zu übersetzen. Daher wirken auch bisher so viele Berliner Designer so identitätslos. Entweder versuchte man so wie Paris und Mailand zu sein, nur war man in allen Bereichen viel, viel schlechter. Oder man war so experimentell, wie die Abschlussklasse einer schlechten Modeschule, aber mit Berliner Underground Charme. Eine gelungene Synthese gab es nicht. Bisher. Bis vor ca. zweieinhalb Jahren das Label SF1OG (Seitenflügel 1. Obergeschoss – die Location wo alles begann) auf der Bildfläche erschien. Und die machten auf einmal vieles anders und endlich richtig.
Selten habe ich eine so gelungene Verbindung zwischen den vielen Aspekten, die Berlin ausmachen, so komprimiert in einer Show bzw. Kollektion erlebt, wie in ihrer aktuellen AW 2025 Kollektion. Die beiden Macher Rosa Marga Dahl und Jacob Langemeyer verstehen es, ihre Mode so zu gestalten, dass sich die Stadt, die Jugend, der Zeitgeist und sie selbst darin wiederfinden können. Die Sachen sind zum Teil upgecyclet, das Casting unangestrengt divers und die Location im der Halle am Berghain – der Wahnsinn. Selbst die Schuhe waren richtig … customized Chucks. Alles wirkt wie aus einem Guss und diese Selbstverständlichkeit überstrahlt auch kleine Mängel im Design, weil es keine Rolle spielt, ob die Jacke so oder der Kragen so gestaltet ist. Man möchte einfach Teil der SF1OG “Armee” sein – Uniformen war die Inspiration der Show: Uniforms have always had a presence in the music scenes that shaped us—rock and indie bands reimagined them as symbols of rebellion and individuality. That intersection of structure and self-expression became the foundation for this collection, where we sought to bridge the nostalgia of youth with historical references, creating something modern and meaningful.”
Man möchte sich verlieren in diesem Kosmos der Freiheit, den dieses Label ausstrahlt. Kann sein, dass sich das im Laufe der Jahre verändern wird und sie irgendwann aus dem Seitenflügel in die Beletage ziehen. Vermutlich wenn sich ihre Business- und Lebenssituation verändert hat. Wer weiß, vielleicht wollen wir dann auch noch dabei sein!
Im Moment sind sie das einzige Label der Stadt, das es schafft, das Essenzielle Berlins in Mode zu übersetzen!
SF1OG
Designer:Rosa Marga Dahl
Brand Manager:Jacob Langemeyer
Styling: Léon C. Romeike
Head of Make-Up:Leana Ardeleanu
Head of Hair: Jesus Rodriguez for Oribe
Casting: Kyra Sophie
Location: Halle am Berghain