Petra van Bremen
Cyte: Wie ging bei Dir alles los? Wann und wo hast Du angefangen zu modeln?
Petra: Als junges Mädchen in Zeeland, wo ich aufgewachsen bin. Wo mein Vater geboren ist, in Holland. Direkt an der Küste, wo alle aus Nordrhein-Westfalen gerne Urlaub machen. Da habe ich einen offiziellen Mannequin-Kurs gemacht. So richtig, mit einer Prüfung, mit Diplom. Dann fand ich mich selbst natürlich schon großartig, dass ich ein echtes Mannequin bin. Von da an, habe ich als Model gearbeitet.
Cyte: Toll. Hast Du dann non-stop weiter gemodelt oder gab es auch Pausen?
Petra: Zeeland war zwar nicht der ideale Platz, um von dort aus als Model zu starten, aber ich habe doch meine Jobs gut hingekriegt. Meine Eltern kamen dann irgendwann auf mich zu und fragten: „Was ist das, wo soll das jetzt hingehen? Du weißt, Du kannst das nicht Dein Leben lang machen. Willst Du nicht lieber doch einen Beruf erlernen, mehr als das?“ Ich habe also eine Ausbildung im Personalmanagement gemacht. Bis 24 oder 25 Jahren habe ich nebenher noch gemodelt. Mal in Belgien, mal in Deutschland. Ich war recht viel unterwegs. Und irgendwann wurde es schwierig, alles unter einen Hut zu bringen. Mein Ehrgeiz, im Personalmanagement Karriere zu machen überwog schließlich. Und da habe ich dann aufgehört mit dem Modeln.
Cyte: Wie war das am Anfang, Du bist viel gebucht worden?
Petra: Ja, ja, ja, ich habe in Deutschland und in Belgien gearbeitet, das waren natürlich die ersten Länder, die sich anboten. Ich hatte meine Agentur, Intermodel in Rotterdam.
Das war so spannend alles. Eines Tages kam der Call nach Paris. Man hatte mich in Antwerpen für Dries van Noten und Ann Demeulemeester laufen sehen.
Da bekam ich Angst. Außerdem war ich frisch verliebt, hatte meinen Freund in Holland. Die Chance habe ich also nicht genutzt.
Cyte: Gibt es von den Schauen, van Noten, Demeulemester noch Bilder?
Petra: Nee, leider nicht. Handys gab es ja noch nicht.
Das waren alles noch junge Designer. Da waren die noch ganz, ganz am Anfang ihrer Karriere. Sie hatten noch nicht viel Presse. Und ich dachte, was ziehen die mir jetzt an? Das war so avantgardistisch. Aber, nee, vielleicht hat es die Fotos gegeben. Ich habe sie leider nicht.
Cyte: Das war alles in den 80er Jahren?
Petra: Ja, da war ich noch jung. Und es war total anders als heute. Es gab damals Schauen für Boutiquen, kleinere und größere. Ich bin dann irgendwann auch für die großen Unternehmen gelaufen. Damals noch nicht so international wie heute. Aber nach und nach habe ich dann ganz langsam meinen Weg gefunden. Ich liebe die Catwalks!
Das war für mich schon immer das Größte. Shootings waren mir zu Beginn nicht so lieb. Ich war zu verunsichert. Die Kamera war mir irgendwie zu nah, zu viel Aufmerksamkeit.
Cyte: Aber Catwalk ist ja eigentlich noch schlimmer!
Petra: Nee, Catwalk, das war für mich das Größte. Ich hatte zwar immer Lampenfieber, war super nervös. Aber das gehört einfach dazu, das macht den Reiz aus. Man war in Bewegung, nicht wie bei einem Shooting einfach nur in einer Pose. Mein Verhältnis zu meinem Körper war damals nicht ausgewogen. Das hat sich mit der Zeit zum Glück gegeben, heute weiß ich wie und was ich bin.
Cyte: Hattest Du denn damals, aber vielleicht viel interessanter auch jetzt, Vorbilder für Dich als Modell?
Petra: Damals, ja! Kennst Du die Londoner Zeitschrift Avantgarde? Die hatten viele coole Fotos. Da waren Jerry Hall und Lauren Hutton drin. Die beiden waren meine Favoriten. Man wollte Jerry Hall sein, mit ihren langen Haaren. Und man wollte Lauren Hutton sein wegen Estée Lauder. Lauren Hutton ist für mich immer noch top, auch, weil sie so natürlich ist und so „Lauren“ geblieben ist. Ja und außerdem mag ich, wie heißt sie noch, sie ist mittlerweile 93 Jahre: Carmen Dell’Orefice. Sie ist natürlich genau das Gegenteil zu Lauren. Ihr Spruch: „Wenn die Decke runterfällt, dann reparierst Du sie doch auch“. Das ist für sich so ehrlich! Sie steht zu allen Schönheitsoperationen, die sie gemacht hat. Ich finde das genial, wie sie das erklärt. Ich habe sie mal persönlich kennengelernt, da war sie in Düsseldorf. Mein Mann und ich waren im selben Hotel. Ich komme in den Frühstücksraum, und da sitzt sie. Ich war ohne Make-up, ohne alles. Ich konnte nicht anders, ich musste den Groupie geben und habe mich ihr vorgestellt. Sie war so nett und so schön, im vollen Ornat. Haare, Make-up, Ketten, wunderschön!
Es kam dann noch der große Moment, wo wir auf der gleichen Show waren. Ich war als Gast eingeladen, und sie war das Model damals für, Gott, wie heißt die Marke jetzt? Das fällt mir gleich ein. Da war sie als Model, und dann habe ich sie abends getroffen. Und sie sagt zu mir: “You know what? I like you better without make-up. You should come to New York.”
Ja, so war das. Das waren so Highlights.
Cyte: Wir müssen über diese Sprünge sprechen, Deinen Entschluss nicht mehr zu modeln und lieber Karriere im Personalmanagement zu machen und dem Weg zurück, zur Arbeit als Model.
Petra: Ich mache einen kleinen Schritt zurück, ich bin ja wegen der großen Liebe nach Hamburg gezogen. Von Holland nach Hamburg. Und es war mein Mann, der gesagt hat, warum fängst Du nicht nochmal an, das war Dein Leben.
Cyte: Wie alt warst Du da?
Petra: Ich bin 2003 nach Hamburg gekommen. Da war ich Anfang 40. Als Model habe ich aber erst ein paar Jahre später wieder angefangen. Nachdem ich mich in Hamburg eingelebt hatte, kam dann irgendwann der Moment, in dem ich merkte, ich brauche noch etwas für mich. Ich habe meinen Mann viel auf seinen Reisen begleitet, das war spannend und bot viel Beschäftigung. Aber mir fehlte das Modeln. Und dann kam diese Reklame von „Eucerin“. Echte Frauen waren das. Große, kleine Körper, jung, alt. „Diversity“, das Wort gab es noch gar nicht. Aber das war für mich ein Zeichen. Und da dachte ich, hm, vielleicht gibt es da doch eine Möglichkeit. Aber ich hatte natürlich gar kein Material mehr, keine aktuellen Bilder, gar nichts. Und dann bin ich an einem Abend mit meinen Hunden spazieren gegangen und kam an der Agentur von e-Models vorbei, die hatten ihr Büro bei mir um die Ecke. Da war noch das Licht an. Noch so ein Zeichen! Ich hab im Internet nachgeschaut, was das für eine Agentur das ist. Und irgendwann, als ich vom Friseur kam, habe ich einfach geklingelt.
Ich bin Model und würde gerne wieder arbeiten.
Haben Sie einen Termin?
Nee, ist das dann wichtig?
Ich frage mal meinen Chef.
Innerhalb von 14 Tagen kam ein Fotograf, wir machten neue Bilder und das war mein Neu-Start.
Letztlich ist mein Mann der Grund. Er hat mich wieder zurückgeschubst ins Rampenlicht. Seine Idee war, dass ich als Freiberufliche ab und zu Jobs habe und den Rest der Zeit mit auf seine Reisen gehen kann. So funktioniert das.
Cyte: Was ist das Gute, was das Schlechte am Älterwerden?
Petra: Gut finde ich die Gelassenheit. Ich muss mich niemandem gegenüber mehr beweisen. Ich habe auch nie ein Problem gehabt mit dem Älterwerden. Und da liegt wahrscheinlich auch meine Kraft, dass ich ja, einfach zu mir selbst stehe. Ich werde älter, gut, aber ich kann noch so viel machen. Und diese innere Ruhe, die ich selbst habe, weil ich das verinnerlicht habe, führt dann natürlich dazu, dass es mir richtig gut geht.
Der Nachteil am Älterwerden ist eher schleichend. Die Gesundheit, die nicht mehr so volle Energie wie in der Jugend. Ich muss mich länger erholen als früher. Zumal wenn ich viele Jobs, viele Unternehmungen hintereinander weg mache. Und man wird sich bewusst, dass irgendwann auch mal das Ende da ist. Und das hatte man natürlich früher nicht.
Da hat man früher nie dran gedacht. Als ich 60 wurde, ist mir das plötzlich sehr bewusst geworden. Da wurde mir bewusst, wie viele gute Jahre ich noch zu gehen habe.
Und sicher war auch ein Faktor, dass meine Mutter an Demenz erkrankte. Schmerzlich bewusst wurde mir da wie zerbrechlich man werden kann. Und das hat bei mir sehr viele Gedanken ausgelöst. Da habe ich zum ersten Mal wirklich so ein Dipje, würde man in Holland sagen, so ein Dipje, einen Tiefpunkt gehabt. Mein Mann war überrascht und sagte hey, so kenne ich Dich gar nicht.
Für mich war es die Frage, wie geht es weiter? Was will ich noch? Was will ich zusammen mit meinem Mann machen? Wie fülle ich die letzten guten Jahre? Die letzten guten Jahre, von 60 bis 90. Das hat mich innerlich beunruhigt, zum ersten Mal.
Cyte: Und jetzt, was fehlt Dir zum Glück?
Petra: Ich hätte meine Mutter noch gerne ein bisschen länger auf der Welt gehabt. Ja. Aber, das sind nun mal die Dinge, die im Leben passieren.
Ich bin so ein privilegierter Mensch im Sinne, dass ich Petra van Bremen bin, ich bin glücklich verheiratet, ich habe eine tolle Familie und ich liebe das, was ich tue. Kann man das so sagen? Ja, absolut. Absolut! Wenn Du jetzt fragst, um glücklich zu sein, nee, da fehlt mir nichts. Wenn Du jetzt karrieremäßig fragst, ja, da bin ich noch voller Energie und Pläne.
Das ist was anderes. Das sind für mich zwei verschiedene Dinge.
Cyte: Der ganzen Model-Branche haftet das Vorurteil an, dass sie sehr oberflächlich ist. Wie begegnest Du dem?
Petra: Ist das so? Ich weiß, so wird über die Branche gesprochen, aber das ist kein schönes Wort. Ich würde eher schnelllebig sagen.
Cyte: Ich gebe Dir ein Beispiel: wenn Evelyn Hall sagt und sich damit klar abgrenzen möchte: „Nein, ich bin doch kein Model mehr, ich bin jetzt Schauspielerin!“, dann denkt sie offenbar, dass es mehr Wert hat, eine Schauspielerin zu sein als ein Model.
Petra: Nee, so sehe ich das absolut nicht! Wirklich nicht! Wenn ich als Model auf einen Job komme, was da für ein engagiertes Team ist, welcher Teamgeist da herrscht und was da hart gearbeitet wird. Das Model, der Fotograf, der Stylist, der Visagist, die Assistenten und alle, die da noch mitmachen, was da manchmal an Vorbereitungen, an Planung drinsteckt. Und wenn man die Vision versteht, die noch dahinter steckt. Das kann man doch nicht oberflächlich nennen? Da arbeiten doch Leute sehr seriös und sehr hart und Du bist ein kleiner Teil davon, wie andere auch Teil von irgendetwas sind. Das hat für mich rein gar nichts mit Oberflächlichkeit zu tun.
Cyte: Wird Schönheit überschätzt?
Petra: Jetzt muss ich fragen, wie meinst Du das? Schönheit als “Du bist schön“ oder Schönheit im Allgemeinen?
Cyte: Eher auf Personen bezogen. Forschung beweist, dass eine schöne Person, ihrer Zeit entsprechend schön, Vorteile hat im Leben.
Petra: Ist das so?
Cyte: Ja, Du bekommst leichter einen besseren Job und nicht ohne Grund werden Modelle sehr gut oder wurden, sag ich mal, sehr gut bezahlt für ihr in erster Linie junges Aussehen. Du bist so gesehen eine Ausnahme, das neue Role Model. Es ist eher die Frage, wie guckst Du auf Schönheit und wie bewertest Du Schönheit? Nimmst Du Dich selbst als schön wahr?
Petra: Na, jetzt vielleicht, wo ich älter geworden bin. Als junges Mädchen, nicht. Ich bin in einer sehr bodenständigen Familie aufgewachsen. In Zeeland sind wir sehr bodenständig. Das Prinzip „Schönheit“ war bei uns zu Hause kein Kriterium, kein Thema.
Ich denke, meine Eltern haben zwar immer Komplimente über uns Kinder bekommen. Als junges Mädchen war ich aber zu verunsichert. Es ist nicht immer einfach, weil wenn Du als junges Mädchen hübsch bist, wirst Du auch von vielen Menschen angestarrt.
Wenn ich heute Photos ansehe, von damals als ich jung war, denke ich heute, ich war eigentlich schon sehr hübsch. Das kann ich aber erst jetzt über mich selbst sagen.
Meine Mutter hat mir, als ich Anfang 40 war, gesagt: „Du bist schöner geworden, jetzt wo Du älter geworden bist.“ Und das von meiner Mutter! Das war für mich das schönste Kompliment. Da habe ich realisiert, hey, ja, die van Bremen ist nicht schlecht. So, da war es dann für mich so klar, okay, Du bist eine hübsche Frau. Ich habe bemerkt, dass vielleicht, ja, es gibt Vorteile und ja, die Tür ist immer ein Spalt auf.
Cyte: Welche Deiner Eigenschaften schätzt Du am meisten?
Petra: Ich glaube, mein emphatisches Vermögen, ich kann mich sehr gut in Menschen hineinversetzen, ich kann zuhören und so das Gefühl dafür bekommen, was los ist. Und meine Kraft durchzuhalten. Ich habe eine innerliche Kraft und ich gucke auch von A bis Z, nicht von A bis B. Ich sehe Z, da ist mein Ziel und da will ich hin.
Und ich kann auch sehr gut Komplimente machen, es fällt mir leicht. Wenn zum Beispiel eine andere Frau toll aussieht, sage ich das auch. Egal ob das dann jemand ist in einem Hausflur oder jemand, den ich im Lift treffe. Dann sage mir, hey, die will ich gerne kennenlernen. Dann gehe ich rüber und sage „Hallo, ich bin Petra van Bremen“.
Cyte: Was wäre, im Bereich des Modelns, Dein Ziel – egal ob realistisch oder unrealistisch.
Petra: Darf ich zwei nennen? Ja, der Laufsteg, Paris natürlich. Das ist jetzt mein Ziel, Paris.
Ob das dann Haute Couture ist, oder Prêt-à-Porter, egal. Eine richtig gute Pariser Show. Seit ich Vogue gemacht habe, bin ich noch ehrgeiziger geworden. Außerdem möchte ich in noch so eine richtig coole Zeitschrift. „Petra van Bremen, das grauhaarige Cover Girl.“ International. Es wäre großartig, international durchzustarten.
Cyte: Wann warst Du am glücklichsten?
Petra: Ja, wie kann ich das am besten sagen? Privat, in dem Moment, als ich meinen Mann zum ersten Mal kennengelernt habe, das war schon ein Highlight.
Und diese Phase, dass wir so zusammengekommen sind und der Heiratsantrag gekommen ist, das vergesse ich nie. Ich habe nicht einen Moment, aber ich bin so glücklich mit meinem Mann zusammen und ich sehe auch den Moment noch vor mir, wie er mit seinen blitzblauen Augen vor mir sitzt. Ich glaube, da hat mein Herz vor Glück einen Sprung gemacht. Beruflich als Marcel Ostertag mich zurück auf den Laufsteg gebracht hat. Zum ersten Mal nach so langer Zeit. Ich bin dafür sehr dankbar! Da war ich happy, das war glaube ich das erste Mal, wo ich so sehr befreit gelaufen bin. Das hat auch mein Mann bemerkt: „Du warst da – Du warst präsent!“
Darüber freue ich mich sehr, dafür mache ich es. Deshalb ist auch Geld nicht nur mein Drive. Natürlich, wenn es morgen eine Estée Lauder-Kampagne gibt und ich bin das Modell, ja, natürlich wird dann verhandelt. Das ist eine Riesenfirma.
Die Show von Marcel hat mich wieder zurück ins Geschäft gebracht. Damit hatte ich endlich wieder ein Laufsteg-Video, das ich nach Mailand oder Paris, an Balenciaga, Yves Saint Laurent und andere super Designer senden kann. Jetzt war es erstmal Berlin und ich muss nun die Brücke nach London, Paris, Mailand finden.
Jetzt habe ich eine Agentur, die das vorbereitet … Aber mit Agenturen ist das so eine Sache. Ich erinnere mich an Gespräche, wo mir gesagt wurde: „Petra, Größe 38? 36 wäre besser!“ Aber, ja, ich war immer eine Größe 38. Erst nach dem Tod meiner Mutter, habe ich sehr viel Gewicht verloren. Da war ich wieder auf dem Gewicht eines jungen Mädchens. Aber das war schrecklich, das war nicht mehr schön! Das war nicht meine Welt! Ich sah aus wie ein Skelett, es machte mich alt. „Ja, aber Du willst doch nach Paris!“ Und da hab ich gesagt, okay, dann nicht, denn um jeden Preis will ich es nicht.
Cyte: Das verstehe ich.
Petra: Da muss ich auch ehrlich akzeptieren, wenn das der Grund ist, mich nicht zu buchen, ja, dann ist das so, ich kann’s doch nicht ändern.
Cyte: Jetzt würde ich gerne noch mit Dir über Deine Vorbildrolle sprechen. Wie siehst Du Dich da?
Petra: Ich bin gerne ein Role Model geworden, aber das hat mich auch überrascht. Ich hab ein Buch geschrieben, wie ich Model geworden bin. Das hat eine gewisse Aufmerksamkeit erregt. Außerdem habe mit Instagram angefangen, und da kamen so viele Fragen! Fragen zu meinem Alter, wie es kommt das ich mich modisch noch so viel traue et cetera. Das ist doch wunderbar, oder? Ich finde es schön, wenn ich angesprochen werde, egal ob das auf der Straße ist oder irgendwo sonst. Es passiert immer öfter, dass Menschen mich irgendwas fragen. Mir gefällt das. Ich gehe auch gerne in Talkshows, weil ich es wichtig finde den Leuten zu sagen, dass wir kein Verfallsdatum haben. Habt keine Angst alt zu werden! Natürlich wird dann kritisch nachgefragt: Ja, Du hast leicht reden, Du siehst ja gut aus und so. Aber das ist nicht immer der Punkt. Es geht darum, dass wenn ich in den Spiegel schaue, ich sehe keine ältere Frau, ich sehe Petra. Petra ist zwar älter geworden, aber ich sehe mich nicht alt. Natürlich ist es so, manchmal, wenn ich morgens aufwache und meine Augen verquollen sind, dass ich zurück ins Bett möchte – aber dann müssen die Eye-Pads her, denn das nächste Fotoshooting steht an. Ich bin aber sehr viel gelassener geworden.
Ich bin dankbar, ich habe dieses Aussehen geschenkt bekommen. Aber wie ich mich weiterentwickelt habe, daran habe ich sehr hart gearbeitet, von der jungen verunsicherten Petra zu der Person, die ich jetzt bin! Und „Petra“ ist mittlerweile eine Marke, und das war harte Arbeit! Auch ich muss an meinem Körper arbeiten, auch bei mir grüßt die Schwerkraft. Es sitzt nicht immer alles da, wo es soll, es ist nicht immer alles „perfekt“.
Wenn ich eine Show habe oder ein Shoot, versuche ich mich ein paar Tage vorher bewusster zu ernähren. Es macht mir immer große Freude, obwohl ich trotzdem immer ein bisschen nervös bin. Du wirst unter die Lupe genommen und das ist nicht immer einfach.
Cyte: Wie schaust Du auf die aktuelle Modewelt?
Petra: Ich mag überhaupt nicht die Art und Weise, wie jetzt die Shows gemacht werden. Die Modelle sind wie eingefroren, bloß nicht lachen. Ich finde das steril. Warum müssen die Modelle so mager sein, warum müssen das alles nur so junge Mädchen sein. Warum müssen die alle so geradeaus schauen, nicht links gucken, nicht rechts gucken, warum nicht diese Wärme zurückbringen, warum nicht diese Leichtigkeit, dieses schöne Miteinander. Ja, ich vermisse das. Die Nähe. Neulich habe ich eine Charity-Show gemacht, es war eine kleine Show. Danach sind die Frauen auf mich zu gekommen und haben mir gesagt, wie gut es Ihnen gefallen hat: „Wir können uns mit Dir identifizieren, weil Du in unserem Alter bist. Wenn sie das tragen kann, dann können wir das auch tragen!“ Ich kam mit meiner Größe auch gut an. Das ist doch das Schöne daran, dass man die Menschen mitnimmt, auch verkaufstechnisch ist das doch gut, wenn Du dann das Kleid verkaufen möchtest, und es so hübsch aussieht an einer etwas älteren Frau, dann ist das doch schön! Wir sollten wieder mehr Nähe zulassen, das täte uns allen gut!
Cyte: Vielen Dank für das Gespräch!
Photographer: Stephan Ziehen
Hair&Makeup: Maria Pilar/ @kultartists.com
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Talent: Petra van Bremen
Casting: Karen Stehle
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