„Medusen“

Nikolas Tantsoukes Collagenkunst begeistert mit einer fast verloren gegangenen Technik.

Analoge, handgefertigte Unikate aus Papier thematisieren zeitgenössische Themen.

 

 

Nikolas Tantsoukes` Arbeiten sehen aus wie aus der Zeit gefallen.

Aber ohne dabei altmodisch oder verstaubt zu wirken.

Er macht Collagen.

Aus alten Bildbänden schneidet er in mühevoller Kleinstarbeit unzählige Bilder aus – verschiedene Hintergründe, Menschen aus allen möglichen Perspektiven, Augen, Ohren, Berge, Flüsse, Boote von oben Boote von unten –, die er dann zu surrealen Traumbildern neu zusammensetzt.

Dabei wechseln die Bildinhalte zwischen politisch geprägtem Zeitgeschehen und humorvollen Blicken in die Seele der Menschen.

Schon als kleiner Junge liebte er es, die alten Collagen-Bände „Une semaine de bonté“, das „Karmelienmädchen“ und vieles andere von Max Ernst anzuschauen.

Seine Mutter sah das Interesse und begann mit ihm am Küchentisch Collagen aus Versandhauskatalogen zu machen. Der Grundstein war gelegt.

Heute sitzt er nachts an seinem großen Arbeitstisch, beleuchtet von zwei starken Industriestrahlern in einem ansonsten dunklen Raum. Nur nachts findet er die Ruhe und den Focus, den er für seine teils düsteren Bildwelten braucht.

Aus einer Vielzahl von Kisten und Schubladen sucht er die einzelnen Bausteine seiner Bilder zusammen. Jede dieser Kisten beherbergt Ausrisse aus alten Büchern, die er auf Flohmärkten findet oder ihm von Freunden und Verwandten zugesteckt werden. Sie zu sichten, Seiten auszureißen, die richtigen Bilder für das aktuelle Projekt zu finden, sie doch einer anderen Arbeit zuzuordnen, sie erneut zu sortieren, einem neuen Gedanken Raum zu geben, sich vom ursprünglichen Vorhaben zu lösen, zusammenzulegen, neu anzuordnen … das ist ein langer und mühevoller Prozess. Vielleicht ein Grund, weshalb es nur noch wenige Künstler gibt, die sich so intensiv mit der Kunstform Collage auseinandersetzen.

Wenn die Sujets klar sind, beginnt das „Puzzlespiel“. Meistens arbeitet er an mehreren Bilder gleichzeitig. Bis die endgültige Form und Komposition gefunden ist,

werden sie unter Glasscheiben gesichert. Erst wenn eine erneute Draufsicht keinen Veränderungsdrang mehr auslöst und es sich richtig anfühlt, werden die Schnipsel, die Puzzleteile mit speziellen lösungsfreien Klebstoffen aufgeleimt. Es entstehen Serien von Bildern zu einem Thema, deren Titel wesentlich zum Verständnis der Arbeit beitragen. Eine Hure in einem Bett liegend mit einem grotesk entstellten Männergesicht wird als „Kunstexperte – Richtige Argumente“ betitelt. Bitterböse Abrechnungen mit dem Kunstbetrieb – immer mit einem Augenzwinkern.

Es sind Unikate, die nicht am Computer komponiert und bearbeitet wurden, sondern per Hand ausgeschnitten und aus vielen Einzelbildern zusammengesetzt sind. Vielleicht aus der Zeit gefallen, aber dafür mit Seele.

CREDITS

Artwork: Nikolas Tantsoukes #nikolas.tantsoukes – Text + Photographie: Stephan Ziehen #stephanziehen