Else
Katharina Zorn & Jasna Fritzi Bauer
Roman, Kiepenheuer & Witsch, 2025, 270 Seiten

Words: Henrike Heick

U4-Text:
„Else lebt auf den ersten Blick ein normales Familienleben der Sechzigerjahre. Doch sie hat mehr als nur ein Geheimnis …
Katharina Zorn und Jasna Fritzi Bauer erzählen in ihrem fulminanten Debütroman auf berührend-unterhaltsame Weise von einer stillen Emanzipation und einem Ausbruch aus einer gesellschaftlich vorgezeichneten Rolle.“

Das Cover zeigt eine junge Frau auf dem Fahrersitz eines Mercedes, die einen – Achtung – kess-verschmitzt über die Schulter anlächelt.

Klappentext:
„Else ist eine Frau, die wir von all ihren Seiten kennenlernen dürfen: als sudetendeutsches deportiertes Kind, bei ihrem sozialen Aufstieg, der angeblich nur ihrem Ehemann Willy zu verdanken ist, und bei ihrer emotionalen Emanzipationsreise, als sie entscheidet einen Taxischein zu machen. Sie fährt uns stolz, fein und modern durch die Frankfurter Nächte der Sechziger- bis Achtzigerjahre und parkt uns in einer berührenden Szenerie an der Côte d´Azur, wo sie mit ihrer Enkelin auf eine letzte große Reise geht.“


Was soll ich sagen.
Es gibt Debütromane und es gibt Debütromane.
Ich habe schon viele unbefriedigende Debütromane gelesen, aber ich habe mehr zufrieden stellende, hoffnungsvolle Debütromane gelesen. Im Rückblick und nach diesem Debütroman, rücken von den unbefriedigenden noch einige auf die Seite der zufrieden stellenden, hoffnungsvollen.
„Fulminant“ ist an diesem wirklich gar nichts.

Das Gute ist schnell geschrieben: Ich mag die Geschichte!
Ich mag Else, wie sie sich traut, wie sie alles am Laufen hält, ihre feinsinnige Starrköpfigkeit, ihre trotzige Eigenständigkeit, ihre wohl temperierte, wohl dosierte Solidarität mit ihrem Mann, ihren klirrenden Verstand, ihre Integrität und ja, ihre Geheimnisse. All das während Ehemann Willy sich abmüht, ein respektierter Mensch zu sein, sein verkürztes Selbstwertgefühl mit Tennismatches im lokalen – in den Sechzigern chauvinistisch angelegten – Tennisclub und Ausflügen in das Frankfurter Rotlichtmilieu unter Beweis stellend.
Der Sprung zurück in die Sechziger, Siebziger, Achtziger gelingt. Beim Lesen fließen durchs Hirn die Filme, Erzählungen, die Farbigkeit und der Geruch jener Jahrzente. Dazu braucht es überhaupt gar nicht die den Kapiteln zur Seite gestellten Filme, die über QR-Codes auf dem elektronischen Gerät abspielbar sind – wer will beim Lesen eines Buches sein Handy anschalten? Sie stören den Lesefluss und zerstören die Phantasie, die sich beim Lesen einstellt. Meine Else, mein Willy und die gesamte Szenerie sehen anders aus. Also mich stört diese Krücke, ich stelle sie in die Ecke.
Und ehrlich gesagt: QR-Codes? Ohne Worte.

Das nicht so Gute an diesem Debüt – ich wünschte, es bliebe bei diesem einen Roman – lässt sich ebenfalls schnell schreiben: Die Sprache ist nicht auszuhalten. Sie ist deshalb nicht auszuhalten, weil jedem Fünftklässler und jeder Fünftklässlerin ein himmelschreiendes Unrecht widerfährt, dass ihnen für ihr Aufsatz über das Leben ihrer Großmutter kein anständiges Honorar gezahlt wird, mit dem sie ihr Haus auf Mallorca ein kleines bisschen gemütlicher machen können.
Vielleicht handelt es sich um irgendeinen besonderen Stil, einen besonders seltenen Stil, den die beiden Autorinnen – und das Lektorat hat sie offenbar darin bekräftigt – sich nach nervenaufreibender Recherche und langen, genauso nervenaufreibenden Diskussionen angeeignet haben, um dem Roman einen einzigartigen Touch zu geben?
Ich wünschte, sie hätten es gelassen. Nur wegen des Stils, habe ich mich durch die Seiten gequält. Denn wie oben erwähnt, die Geschichte ist gut.

Liebe Kiepenheuer & Witsch, das könnt Ihr besser.
Ob Frau Zorn und Frau Bauer es besser können?
Bitte, lasst Euch nicht aufhalten.
Aber ich muss es nicht herausfinden.